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Thema: Endlich im Westen
nightlight (offline)
Insel-Experte





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Deutschland
icon1   Endlich im Westen #1 Datum: 10.04.2006, 12:37  

November 1989

Ein wirklich spannendes Wochenende, was uns im Gedächtnis blieb.
Ein guter Freund klingelte Sturm und erfasste im Spurt mehrere Stufen der Treppe gleichzeitig.
Er konnte es nicht arg genug machen und verkündete die Botschaft, welche wir für einen späten Aprilscherz hielten.
Angeblich wurde über Funk verbreitet, die Grenzen würden kurze Zeit geöffnet werden. Unmöglich. Sicher, es krieselte im Osten, doch die Grenzen öffnen? Absurd. Begrüßungsgeld, 40 D-MArk? Westgeld? Tatsächlich? (In Anbetracht dieser damals wirklich unmöglich unglaublichen Situation muss ich heute schmunzeln. Damals hätte man glatt für 40 Westmark verraten werden können)
Nun, er überzeugte uns lau, gestikulierend mit Händen und Füßen.
Wir schmiedeten einen kleinen Lageplan.

Der Wecker klinglte 2.30Uhr. Wir konnten ohnehin nicht einschlafen. Eine Thermoskanne Kaffe (man weiß ja nie), belegte Brote (man kann ja nie wissen), Papiere für alle Fälle und es konnte los gehen.
Zu viert saßen wir voller Erwartung im Wartburg.
Der beste Weg erschien uns über Meiningen um nach Mellrichstadt zu gelangen..Straßenkarten wurden gewälzt, Aufregung im Auto.
Mir wurde ganz flau und mein Körper streikte mit Magen und Darm.
Hinten saßen die Frauen, die Männer vorne diskutierten sämtliche Fluchtwege durch, lächel.
Ein ungewohntes Gefühl, zu tun, was noch vor kurzem streng verboten war.
Kaum ließen wir Meiningen hinter uns, sahen wir eine Schlange unendlich vieler Rücklichter vor uns. Eine Wahnsinnskollone von grauen Trabis schlängelte sich lautstark vor uns her. Einer von uns stimmte das Lied an:"Die Karawane zieht weiter, der Sultan hält durch, der Sultan hält durch, der Sultan hält durch........!"
Begleitet von Hupkonzerten konnten wir uns einfädeln, es war so unwahr und trotzdem real.
Irgendwann nach dem ersten kleinen Grenzübergang stoppte die Karawane und alles was zwei Beine hatte, flüchtete ins Gebüsch um sich zu erleichtern. (Wenn das die Grünen geahnt hätten, grins) Waren wir jetzt in Hessen oder Bayern?
Es ging weiter. Ich reichte Kaffee, die Bekannte neben mir verteilte Brote, man konnte ja nie wissen, ob Westdeutschland auf unser Kommen vorbereitet ist und man etwas zwischen die Zähne bekäme.
Langsam lichtete sich der Nebel. Wir waren schon Stunden unterwegs, zähfliessender Verkehr, um es mal so zu sagen. Für die gleiche Strecke brauchen wir heute keine Stunde mehr.
Im Morgengrauen erkannten wir erste Leuchtschriften von Firmen in neonfarbenen Lichtern. Das erste Bunt.
Nun war die Aufregung doch recht groß.
Das Autorradio verkündete gelegentlich die Blechkarawane( ich glaube, sie meinten tatsächlich uns), welche gen Bayern zöge um Deutschland einig zu winken.Lächeln So ein Quark.
(Ich denke, die ersten Hessen und Bayern mussten beatmet werden, als Mios von katalysatorfreien, duftenden Ostautos die Idylle für einige Wochen störten.)
Mellrichstadt, endlich, gefunden ohne es gefunden zu haben, einfach eingefädelt in der Schlange von tausenden Autos. (Jawohol, AUTOS, KLEINWAGENLächeln)
Wir suchten einen Parkplatz, was sich als leichte Hürde erwies.
Irgendwo und irgendwann nahmen wir ein Plätzchen als Parkplatz hin.
Massen von Menschen, ein Rufen und Jubeln und wahnsinnig viele Bekannte, denen man überrascht zurief: "Na, was macht ihr denn hier?"
Die Ossis sind eingefallen, wir alle in Jeans, Popperhosen aus Bettlaken, rosa, hellblauen Anoraks. (Man wollte ja nicht da stehn wie der letzte Lump)
Noch keine 9 Uhr und Menschenschlangen vor jedem nur ansässigen Geldinstitut, wie in den besten Zeiten, als die Gerüchte noch gingen, es gäbe vor Weihnachten noch Orangen.
Ein Winken und Lachen, StrassenfestLächeln.
Uns verging die Lust fast, uns anstellen zu müssen wie Bettler, wegen paar Westmäusen. Die Unmöglichkeit der Situation wurde uns langsam klar. Wir waren die Ratten in Hameln, sehr, sehr komisches Gefühl.
Einige Einwohner dieser Stadt drückten uns Schokolade in die Hand, wie freundlich.Lächeln
Vielleicht lag es einfach an der Jahreszeit, dass wir das Grün der Bäume nicht sehen konnten.

Zufällig standen auch wir vor einem Geldinstitut, welches in wenigen Minuten öffnen wollte. Volksbank, glaub ich. Man erkannte ja nicht, man war noch etwas farbenblind. Schwups, glücklicher Zufall standen wir ungeahnt richtig, irgendwo in einer fremden Stadt.
Anstandslos, nach Paßkontrolle bekam jeder von uns 40 DM.
Einfach so. Gut, gell?
So, aufatmen. Hinaus aus der erdrückenden Masse in der Bank.
Luft holen. Noch mehr Massen vor der Türe. Menschen über Menschen. Tausende.
Die Geschäfte öffneten und wurden von uns förmlich überflutet, es könnte ja verboten werden. Nun konnte man sich Zeit nehmen für Farben, gefüllte Schaufenster und Preise.
Die ersten erstaunten Erkennisse überrollten uns. Ketchup war rot und in großen Flaschen, Obst gabs zum Hinterherwerfen, Schokolade, Kaffee, oh.
Der erste Gang zu viert Richtung Schlecker. Ich erinnere mich an den absurden Einkauf. Eine Flasche Meister Propper (der ungewohnte Duft westlicher Reinigungsmittel ließ mich fast übergeben als ich die Flasche zu Hause öffnete um sie putzfein zu gebrauchen), ein Kinderregenschirm für 9,99 DM, wie sich später herausstellte der sinnvollste Einkauf, 2 Tafeln Milka, man wollte nicht gleich alles ausgeben.
Die Preistafeln vor den Gaststätten ernüchterten uns augenblicklich, Himmel, ein Essen für 8 Mark?
Gut, dass wir im Auto was gegessen haben.
Ah, ein Kindergeschäft, gleich mal schauen, vielleicht findet man ja was fürs Kind. Schuhe für 79,95 in Größe 23. Ähm, falscher Film, dafür Feinstrumpfhosen für 99 Pfennig.
In der Geldbörse mischte sich allmählich das Ostgeld mit dem Westgeld.
Eine Geschäftsfrau nahm Ostblech, wollte es als Spielgeld weitergeben an ihre Enkel und schenkte uns Strumpfhosen. Ein armseliger Unterbrückenpenner hätte nicht stolzer sein können.
Die Ratten in Hameln.
Nun bemerkten wir diese Kälte draussen. Ich fröstelte und wir Thüringer in Bayern wollten nun endlich müde, farbgesättigt und frierend in unseren geliebten Wartburg und einfach nur noch nach Hause.

Wir haben den Westen gesehn.


(c)nightlight
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Gast









icon1   Re: Endlich im Westen #2 Datum: 10.04.2006, 13:02  

ja Heike auch wir konnten es nicht glauben, so wie uns die Thüringer überrollten, gg
doch einen Fehler hat deine Geschichte
Mellerichstadt liegt nicht in Hessen, sondern in Bayern besser Franken, lach
amy kennt sich in der Gegend aus, lächel
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nightlight (offline)
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Deutschland
icon1   Re: Endlich im Westen #3 Datum: 10.04.2006, 13:05  

lächelt auch.siehste, einmal besucht und noch immer nicht zugeordnet.
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Hella (offline)
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Deutschland
$file[17] 
icon1   Re: Endlich im Westen #4 Datum: 10.04.2006, 18:26  

ich hab auch gefroren und ich war das mit der schokolade

und wenn ich es lese....wird mir heute noch ganz schlecht

wie ein falscher film

undFragezeichen? ist es nicht wunderbarFragezeichen? allen unken und schimpfkanonen zum trotzFragezeichen?? der osten deutschland ist ein tolles land geworden ich habe im letzten sommer eine rundreise gemacht von rügen bis ins erzgebirge....... traumhaft und ich bin tollen menschen begegnet....

und...... wenn man einen augenblick inne hält kann man verstehen wie wichtig im leben ein stück schokolade, ein paar strumpfhosen und so blöde bananen sind

gerne gelesen

Hella
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inselchen* (offline)
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icon1   Re: Endlich im Westen #5 Datum: 10.04.2006, 18:29  

Ich kann dir nur Recht geben. Es ist gut, dass die Grenzen geöffnet sind, es nicht nur "Bitterschokolade" gibt, schön, dass sich jemand noch über solche kleinen Sachen freuen kann. Und auch schön, dass der Osten schön geworden ist. Lächeln
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nightlight (offline)
Insel-Experte





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Deutschland
icon1   Re: Endlich im Westen #6 Datum: 11.04.2006, 09:38  

Es ist immer so, als wäre man ein Kind.Was man nicht kennt, nie sah, nur davon hörte, erscheint am Anfang ganz besonders interessant.
Die erste Erkenntnis nach diesem ersten Tag im Westen war für uns, für mich:Man hat die Preise vergleichen können, was im Osten besonders teuer war,war im Westen preiswerter und umgekehrt.
Die Gewöhnung an diese Veränderung bedurfte einige Zeit.
Im Endeffekt wird überall nur mit Wasser gekocht, das Gras ist nicht grüner als woanders, die Vögel zwitschern nicht lauter.Lächeln
Leider kann man die Vorteile beider ehemalig getrennter deutschen Staaten nicht beibehalten, es wäre unmöglich.
Das Traurige, die Mauer stand etwas zu lange.Die sehr entfernten Verwandten leben alle nicht mehr.Der Drang sich verwandtschaftlich wieder näher zu kommen erübrigte sich beinahe nach dem Fall der Mauer.
Wie ich schon tipperte, es ist interessant, solange es ungreifbar scheint.Lächeln
Nun, unsere Kinder kennnen es nicht anders, der Unterschied von Ost und West ist ihnen fremd., erscheint ihnen uninteressant.
Wichtig für sie, vielleicht für uns:Es zählt das heute.



(Bisher wurde dieser Beitrag 1 mal editiert, als letztes von nightlight am 11.04.2006 @ 09:41)
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nightlight (offline)
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icon1   Re: Endlich im Westen #7 Datum: 12.04.2006, 10:02  

Test und verdückt.........


(Bisher wurde dieser Beitrag 1 mal editiert, als letztes von nightlight am 12.04.2006 @ 10:05)
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nightlight (offline)
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icon1   Re: Re: Endlich im Westen #8 Datum: 12.04.2006, 10:03  

zitat:(nightlight,12.04.2006, 10:02)
Vielleicht sollte ich noch erwähnen, meine Kinder sind 16 und 18, kennen den Osten von Fotos und unseren Erzählungen, Erlebnissen. Die Große rutschte quasi ins neue System hinen, die Kleine kennt es nun überhaupt nicht anders.
Wie alles, hat auch jedes System seine Vor- und Nachteile.
Ich würde , habe, könnte nicht für Bananen die Heimat verraten.
Ich erinnere mich, im Oktober 1989 reisten wir über Jugendtourist in die Tschechei.Dort wurden wir auf der Strasse gefragt , ob wir auch, wie einige Leute ,unser Land über das Ausland verlassen möchten.
Wir verneinten.Wir hätten nie derart Wertvolles zurücklassen können. Zu Hause wartete die Große, 1,5 Jahre jung, die Schwiegereltern, unser Häuschen, was uns Schweiß und Kraft und Schmiergelder gekostet hatte.
Allerdings verurteile ich nicht die, welche mutig, vielleicht auch euphorisch genug waren, ihr Land zu verlassen, auch von ihnen kehrten viele zurück.
Es war eine Art Heißhunger, auf Unbekanntes, Ernüchterung in vielen Fällen und Angst um die Zukunft wohl in den meisten, ja.
Alles hat eben zwei Seiten, einige sahen im alten System keine Zukunft, andere sehen im neuen System erst recht keins.
Gerade die jüngeren Kinder, sollen jetzt das Fliegen lernen, im Sog dieses Systems, da nützt es weniger, von alten guten Zeiten zu schwärmen.Viele werden untergehn.......vielleicht die, welche Altes und Neues nicht im rechten Maß zu kompensieren verstehen.
Ist nur eine Meinung, ohne persönlich jemanden angreifen zu wollen.



(Bisher wurde dieser Beitrag 1 mal editiert, als letztes von nightlight am 12.04.2006 @ 10:10)
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ElfieNadolny (offline)
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Deutschland
icon1   Re: Endlich im Westen #9 Datum: 03.10.2018, 21:07  

hochhole an diesem Tag, der viel bedeutet
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