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red.gif Autor:
Thema: Aufzugsgeschichte
inselchen* (offline)
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Wenn Freunde sich wirklich annehmen, ist es ein Geschenk.

Beiträge: 17030
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Mitglied seit: 27.09.2005

Deutschland
icon1   Aufzugsgeschichte #1 Datum: 03.03.2010, 22:43  

Wo haben wir denn die Aufzugsgeschichte von Hakket? Wer hilft suchen?
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Gast









icon1   Re: Aufzugsgeschichte - Meinst du die hier? #2 Datum: 04.03.2010, 15:26  

Kurzgeschichte "Drei im Fahrstuhl" #1 Datum: 14.01.2009, 19:38
Gehetzt sah Chris Japperdeis auf seine Armbanduhr.
Verdammt, dachte er. Jetzt komme ich schon wieder zu spät. Irgendwann steigt mir der Alte aufs Dach. Er zuckte mit den Schultern. Ach, was soll ich denn machen? Mann! Ich kann doch den armen Idioten Karl-Heinz nicht einfach vor die Tür setzen, wenn er abends bei mir auftaucht. Den guten Wodka, den er mitgebracht hat, erst recht nicht. Der fühlt sich doch total einsam, wenn man sich nicht mit ihm beschäftig. Und Karl-Heinz auch. Na ja, egal. Ich bin halt viel zu nett zu meinen Mitmenschen. Das hat man eben davon, wenn man sich mit Flaschen beschäftigt.
Inzwischen hatte er den langen Flur der Firma „Knallcharge & Co“ – in der er als „Junge für alles“ beschäftigt wurde - durchquert und befand sich nun vor der Wand mit den fünf Fahrstühlen. Lustig-bunt blinkende Lämpchen zeigten an, dass vier von ihnen gerade damit beschäftigt waren, ihrer vorgegebenen Bestimmung zu folgen: Rauf und runter zu fahren und irgendwelche Leute in irgendwelche Etagen einzusaugen und wieder auszuspucken. Nur ein Lämpchen neben einem Fahrstuhl leuchtete ruhig und unaufgeregt grün. Das Transportmittel wartete also auf Fütterung.
„Mach voran!“, knurrte Chris, während sein Zeigefinger ein Stakkato auf den grünen Fahrstuhlknopf vollführte. Wieder sah er auf seine Uhr. Es war inzwischen noch später geworden.
Endlich erreichte der gerufene Fahrstuhl das Erdgeschoss und die Türen glitten leise zur Seite. Der Fahrstuhl war leer. Chris stieg ein.
Da er noch immer ein bisschen mit den Auswirkungen der nächtlichen Konversation mit Karl-Heinz und Herrn Wodka Gorbatchow zu kämpfen hatte, war er recht froh darüber, dass der Fahrstuhl Wände hatte. Zielstrebig entschied er sich für die Wand gegenüber der Tür und ließ sich mit dem Rücken an ihr nieder.
Chris schloss die Augen und seufzte. Zumindest war eigentlich ein Seufzer geplant – ein Unwissender hätte ihn mit ein bisschen Wohlwollen auch als solchen interpretieren können – doch Chris wusste, dass es keiner war. Es war eher ein nebelumwölktes Bäuerchen.
Puh, ich sollte mit dieser Sauferei echt aufhören – wenigstens unter der Woche, dachte er und wedelte mit der Hand zwecks Luftumverteilung.
Da nun aber die Kabine einen eher begrenztes Platzangebot hat und die dort verteilte Luft ohnehin als „abgestanden“ zu bezeichnen ist, nützte der Versuch der Vertuschung der Auswirkung seiner - in halbwegs gesitteten Kulturen als unschicklich angesehenen - akustischen Äußerung eines körperlichen Zustands wenig.
„Ist hier noch Platz?“
„Waä ...?“
Kurz bevor sich die Fahrstuhltüren vollends geschlossen hatten, streckte sich ein wohlgeformtes Händchen durch den entstandenen Schlitz zwischen den Türen und wedelte.
Ich sollte echt mit dem Saufen aufhören. Jetzt sehe ich schon Hände reden. Nein .. falsch, ich höre sie reden. Sehen tu ich sie natürlich auch ... ich meine, sonst wüsste ich ja gar nicht, dass sie reden ... das heißt, ach, ist ja auch egal ... ich sollte halt mit dem Saufen aufhören. Nein, eigentlich auch nicht. Ich sollte mit dem Arbeiten aufhören. Quatsch, das ist auch Unsinn. Ich sollte nicht arbeiten, wenn ich saufe. Also ... nicht danach. Oder besser: Ich sollte nicht vorher saufen ... Scheiß auf Karl-Heinz. Wieso soll ich das immer ausbaden, wenn ihn seine Freundin verlässt. Soll er doch Gorbi sein Leid klagen. Wobei ... ne, ist auch nicht gut. Gorbi versteht ihn eh nicht. Wirklich verstehen tu nur ich ihn – den Gorbi mein ich. Guter Gorbi. Bist echt die einzige Flasche im Universum, die mir nicht widerspricht und mir Leidensgeschichten von irgendwelchen Beziehungen erzählt.
Frauen nerven eh total. Wenn sie ansonsten nicht so geil wären, könnte ich eigentlich drauf verzichten.
„Geil“ war nun auf einmal und urplötzlich ein Wort, das sich mehrfach in seinem Kopf wiederholte – eine Endlosschleife, ein Rotationskomplex – Chris` Hirn war die Sonne und dieses Wort ein Trabant, der sich um sie drehte. Das lag nicht daran, dass es einen besonderen Wohlklang hatte, denn das hatte es sicherlich nicht, es beschrieb eher einen emotionalen Zustand, beziehungsweise beschrieb ein Ding, eine Sache oder jemanden durchaus positiv und treffend, wenn einem keine bessere und treffendere Bezeichnung einfiel – kurz, es war ein Mischmasch einer Beschreibung für alles mögliche, dass sich landläufig und auf den ersten Blick eben nur als „geil“ bezeichnen lässt.
Ironischerweise in diesem Fall eine Frau.
Denn - um es klar zu machen – Chris´ Vermutung, dass er aufgrund seiner Sympathie für Glasbehältnisse mit hochprozentigem Inhalt eine Hand hatte reden hören, erwies sich als Unsinn.
Hände reden nicht. Grundsätzlich nicht. Auch nicht, wenn man gesoffen hat. Meist redet der Rest, der zur Hand gehört. Und dieser Rest war in dieser Minute, in dieser Szene, in diesem Augenblick und in dieser von einem Wodkarülpser geruchstechnisch doch recht kontaminierten Räumlichkeit namens Fahrstuhl, einfach nur „geil“.
Das Wort „geil“ veränderte sich. Es zog sich in die Länge, verließ die Umlaufbahn, wechselte seinen Klang, änderte das Empfinden, wenn man es aussprach oder dachte. Und obwohl „geil“ meistens etwas positiv beschreibt, klang das neue, eine Metamorphose durchlittene Wort doch viel angenehmer: „Blütenhonig“.
Chris wusste nicht, warum er immer an dieses Wort denken musste, wenn er sie sah. Inzwischen hatte sich nämlich der Rest der nicht sprechenden, aber wedelnden Hand in den Fahrstuhl begeben. „Geil“ war wirklich nicht zutreffend. Vielleicht im ersten Moment. Aber nun stand sie in aller Pracht vor ihm: Tanja Siebenstein, 18 Jahre jung, ein Gottgeschenk, ein vom Himmel gefallener Engel, eine in dieser ach so rohen Welt verlaufenden und verlorenen Nymphe, ein weißblondhaariges Etwas, mit einem Gesicht so schön, dass es eigentlich ein Waffenschein benötigte, mit zwei blau-glänzenden Saphiren als Augen und einem Mund. Natürlich mit einem Mund. Nein, es war nicht einfach ein Mund. Es waren zwei Brücken, die in eine Märchenwelt führten, zwei rosarot glänzende, volle Brücken, die sich leicht in einem warmen Wind wiegten und bogen – so feucht, so weich -, sich öffneten und schlossen, riefen ... einen Namen riefen, eine Einladung zu etwas unaussprechlich Unschicklichem aussprachen (das man möglicherweise jetzt wieder als „geil“ bezeichnen könnte) ...
„Chris ...?!“
„Blütenhonig?!“, antwortete Chris.
„Was?“
„Deine Lippen ... wie Blütenhonig ...“
„Bitte?“
„Nein, ich meine ... äh ... oh ... hallo Tanja.“
„Hallo Chris. Bist aber ganz schön spät dran, was?“
„Ja ... nein ... ach, kann schon sein.“ Ein verschämter Blick seinerseits auf die Armbanduhr signalisierte, dass die aus den tiefsten Wollustfantasien entstiegene Elfe mit dem Namen Tanja durchaus recht haben könnte. „Hmm, hast recht, ist schon verdammt spät“, sagte er dann auch.
„Du tust mir echt leid. Der Abeilungsleiter hat schon nach dir gefragt, und ich warne dich: Er ist verdammt schlecht drauf.“
Es machte sssuupp und die Fahrstuhltüren schlossen sich, der Fahrstuhl setzte sich in Bewegung.
„Willst du auch in den Elften?“, fragte Tanja.
Chris nickte.
Tanja drehte ihren Kopf mit dem von einem Engel gestohlenen Gesicht – denn es musst gestohlen sein, kein irdisches Wesen konnte ein derart schönes besitzen – und maß den engen Raum ab. Mit einem Male entstand eine entzückende kleine Falte auf ihrer Stirn. „Sag mal – findest du nicht auch, dass es hier im Fahrstuhl irgendwie merkwürdig riecht? So säuerlich ... faulig.“
„Ähm ... hüstel ... ach, findest du? Ich riech jetzt nichts.“
„Na ja, ist ja auch egal.“ Tanja schenkte Chris – dem inzwischen aus mehren Gründen immer schwindeliger wurde – ein höfliches Lächeln und senkte den Blick auf das Klemmbrett, das sie bei sich trug.
Tanja Siebenstein arbeitete seit einem halben Jahr in der Firma „Knallcharge & Co“, deren Hauptbetätigungsfeld mit der Entwicklung von Sprengstoffen zu tun hatte.
Genaueres wusste Chris nicht – es war ihm eigentlich auch egal. Auf jeden Fall war er der Meinung, Tanja sei hier gut platziert. Sie war immerhin so etwas wie Sprengstoff oder besser gesagt: eine Bombe - zumindest im übertragenden Sinne.
Langsam hob Tanja eine Hand, spreizte den Zeigefinger ab, öffnete leicht die Glückseligkeit verheißenden Brückenlippen, ließ ihre kleine, rosa Zungenspitze ein bisschen Luft schnuppern und befeuchtete ihn. Dabei bog sich die untere Lippe leicht nach unten. Der Finger wanderte zum Klemmbrett zurück und wurschtelte sich durch verschiedene Papiere. Der Mund jedoch blieb halb geöffnet, und es entfuhr ihm etwas, was Chris eigentlich vor kurzem noch selbst von sich geben wollte: Ein Seufzer. Es war ein unglaublicher Laut – wie aus einer anderen Welt.
Chris wurde warm. Ihm schwindelte noch mehr. Er fing an zu schwitzen. Er fühlte sich auf einmal unbeschreiblich glücklich – und ihm wurde schlecht.
Bitte - tu das nicht, mein liebster Blütenhonig. Das ist gemein. Bitte, bitte, bitte – das kannst du mir doch nicht antun.
Doch sie wiederholte die hocherotische Bewegung. Wieder schwebte Tanjas Finger zum Mund, nochmals zeigte sich die kleine Zungenspitze, nochmals entfuhr ihr dieser aus einer anderen Welt stammende Laut, den Chris nur zu gerne unter anderen Umständen, bei anderen Betätigungen gehört hätte. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass sich seine Körpermitte in einen Schrumpfgermanen verwandelte – wohl gemerkt, nur seine Körpermitte. Der Rest blieb, wie er war – was durchaus Schmerzen verursachte. Durch die nun eintretende Verschiebung der Körperverhältnismäßigkeiten rumorte es in seinem Magen. Er musste aufstoßen. Gorbi meldete sich und verlangte nach einer tiefer gehenden Diskussion bezüglich irgendwelcher Körpersäfte.
NICHT JETZT!
„Also ich finde, dass es hier komisch riecht.“ Tanja zog ihr entzückendes Näschen kraus und schnüffelte wie ein kleines, goldiges Häschen. „Riechst du das denn nicht?“
„Nee ... na ja ...“ Auch Chris sog nun Luft ein, obwohl er das hätte gar nicht tun brauchen, er roch es schließlich schon die ganze Zeit. „Ja, stimmt, riecht komisch.“
„Sag mal, bist du das?“
Nein! Nein, nein, nein. Bin ich nicht. Echt! Das ist Gorbi.
Tanja ließ das Klemmbrett sinken. Sie kniff ihre Saphir-Augen zu Schießscharten zusammen, aus denen Chris sich nur zu gerne hätte tödlich treffen lassen. Sie beugte sich leicht vor, machte einen Schritt auf Chris zu, zog wieder ihr Näschen kraus.
Chris wollte weg. Irgendwie. Aber eigentlich auch nicht. Nichts hätte er sich sehnlicher gewünscht, diesem Engel nahe zu sein, aber doch nicht jetzt – in diesem Zustand! Allerdings merkte er sehr schnell, dass eine Flucht nicht möglich war. Er war gefangen in einem zwei mal zweimeterfünfzig großen Stahlkäfig, der unaufhaltsam seinen Weg nach oben beschritt.
Ich möchte aussteigen, jammerte Chris in Gedanken. Ich möcht´ nach Haus. Ich will ins Bett. Ich will heulen und nie wieder aufhören.
Tanjas Gesicht kam dem seinigen immer näher. Chris´ Kopf wollte ausweichen, nach hinten, was nicht ging, weil er schon an der Wand war, zeitgleich verwandelte sich seine Schrumpfgermanenkörpermitte in die eines Gartenzwergs, und zu allem Überfluss bekam er jetzt genau – in diesem Moment - einen Schluckauf.
Tanjas bisher eher interessiert-analytischer Gesichtsausdruck veränderte sich schlagartig. Ihre Saphir-Augen vergrößerten sich unnatürlich, wurden zum Firmament eines beißend kalten Winterhimmels, ihr Mund öffnete sich, um etwas zu sagen.
Jaaa ... es tut mir leiiid ....!, wollte Chris sagen und ihr zuvor kommen. Ich bin es. Ich, nur ich allein. Ich bin ein armes, versoffenes Individuum, das keine Freunde hat – mal abgesehen von einem noch versoffeneren Karl-Heinz – der aber echt blöd ist, und nur halb so gut aussieht wie ich, musst du wissen – und jaaa, ich habe gestern eine halbe Flasche Wodka getrunken, und jetzt ist mir voll schlecht, weil du so verdammt schön bist, weil ich mir fast in die Hose mache, weil mein kleiner Kumpel zwischen meinen Beinen Tango tanzt – wofür ich übrigens echt nichts kann – und der Rest dieser drum herum befindlichen Örtlichkeit zu einer Nichtigkeit geschrumpft ist ... jaaaa ... Tanja, ich bin es, Chris, das arme Schwein, bitte habe Mitleid mit mir und nimm mich hier und jetzt auf der Stelle. Auch wenn ich stinke wie ein Penner.
Das alles wollte er eigentlich sagen. Doch er kam nicht dazu.
Denn es knallte. Also, nicht nur so ein kleines Bumms, nein, es war ein derartiger Knall, dass man glaubte, einem würde der Schädel platzen. Oder es wäre einem der Schädel geplatzt und für den Knall verantwortlich.
Der Fahrstuhl schaukelte kurz hin und her und beendete abrupt seine Fahrt. Das Licht ging aus. Dunkelheit. Stille.
Chris fragte sich kurz, ob Tanja seine Gedanken gelesen hatte und seinem Bitten bezüglich einer körperlichen Vereinigung nachgekommen war. Er zuckte wieder mit den Schultern. Der Akt war eindrucksvoll und gewaltig – wenn auch ein bisschen kurz. Irgendwie hatte er sich mehr erwartet. Außerdem fand er es ein wenig übertrieben, danach das Licht auszuschalten. Aber nun gut, vielleicht schämte sie sich ja.
„Was, was ... was war das, Chris?“, hörte er Tanjas Stimme neben sich.
Das möchtest du gerne wissen, wie? Ehrlich gesagt bin ich selbst ein bisschen überrascht, aber damit musst du halt rechnen, wenn du dich mit mir einlässt. Ich bin nun mal ein leidenschaftlicher Vulkan, ich bin ein Naturereignis, ich bin Blitz und Donner, ich bin der Gott der unbeschreiblich süßen Lustqualen. Wenn du mit mir schläfst, dann macht´s eben „bumm“.
„Keine Ahnung“, sagte Chris. „Der Fahrstuhl ist stehen geblieben?“
„Ach ne, das habe ich auch schon gemerkt. Ich meine den Knall. Hat sich angehört, als sei irgendwas in die Luft geflogen.“
Habe ich auch gehört. Könnte der Inhalt meiner Hose gewesen sein. Lass das Licht also lieber aus. Ich wills lieber nicht sehen.
„Chris ... ich hab´ Angst.“
„Ja, wirklich? Also, ich auch ... nicht. Vielleicht ist was kaputt gegangen. Irgendwo. Und den Fahrstuhl hat´s auch erwischt.“
„Oh nein, oh nein, hoffentlich stürzen wir nicht ab.“
Selbst wenn, egal, bin schon gestern Abend mächtig abgestürzt. Was meinst du, warum es hier so riecht?
„Ne, Blödsinn. Mach dir mal keine Sorgen. Geht gleich wieder weiter. Versprochen.“
In diesem Moment ging das Licht wieder an.
„Siehst du. Nichts passiert.“
„Oh Mann, ich habe mir fast in die Hose gemacht.“
Echt? Geil!
Tanja bückte sich und hob das fallen gelassene Klemmbrett wieder auf. „Aber irgendwie geht´s nicht weiter“, merkte sie an.
„Drück doch mal den Notknopf.“
Das Mädchen tat es und sprach in die vergitterte Stahlplatte, die sich direkt über dem für Notfälle eingerichteten roten Knopf befand. „Hallo? Hallo? Wir sind hier!“
„Ähm, du solltest vielleicht sagen, wo wir sind.“
„Ach ja, stimmt. Hallo? Wir sind hier, im Fahrstuhl. Und es geht nicht weiter.“
Chris dachte darüber nach, ob die Präzisierung ihres Aufenthaltsortes, auf die er bestanden hatte, überhaupt Sinn macht. Normalerweise dürfte dem Typen am anderen Ende der Notrufleitung von vorne rein klar sein, dass jemand nur deshalb den Notknopf betätigt hat und in das Mikrofon spricht, weil er in einem Fahrstuhl sitzt, der irgendwie nicht mehr geht.
Tanja ließ den Knopf los. „Da antwortet keiner. Weißt du, wie das funktioniert?“
„Ne, leider nicht. Habe echt keine Ahnung. Ich bin noch nie mit dem Ding stecken geblieben. Ich schätze mal, dass jetzt irgendwo und irgendwie eine Meldung an irgendwen gegangen ist. Kommt bestimmt gleich einer.“
„Und wenn nicht?“
„Dann halt etwas später.“
„Und wenn gar nicht?“
Irgendwie wurde Tanjas Stimme unangenehm.
„Hey, Tanja, denk doch mal nach. Die Firma ist voll mit Leuten. Früher oder später wird jemand merken, dass der Fahrstuhl nicht mehr geht, und dann sagt er bescheid. Und dann müssen die nur eins und eins zusammenzählen und werden sich sagen, dass da noch welche im Fahrstuhl drin sind. Mach dir mal keine Sorgen.“
„Und wenn NICHT?“
„Sag ich ja, du sollst dir nicht Sorgen machen.“
„Oh Mann, du bist total doof! Ich meine, wenn nicht jemand merkt, dass nichts geht!“
Ja, ja. Frauen können echt nerven. Sind geil und nerven. Völlig bescheuerte Konstellation. Wer soll denn da glücklich werden?
„Chris!“
„Was?“
„Ich rede mit dir!“
„Habe ich gemerkt.“
„Jetzt sag was!“
„Was denn?“
„Ja ... nun ... was halt passiert, wenn nicht!“
„Keine Ahnung.“
„Oh Mann – Männer! Sind zu nichts gut!“
Tanja ließ sich schmollend an einer seitlichen Wand nieder. Chris blieb, wo er war. Sein, durch den Knall verschreckter Schluckauf, meldete sich wieder.
„Hicks.“
„Hast Schluckauf?“
„Hmm.“
„Ich versuch`s noch mal.“ Das Mädchen sprang auf, drückte den Notknopf und sprach in das Mikrophon: „Hallo? Wir brauchen Hilfe!“
Chris fand die Situation gar nicht so schlecht. Sie waren eindeutig mit dem Fahrstuhl stecken geblieben, und er machte sich keine ernsthaften Sorgen darüber, dass sie eventuell nicht gerettet werden könnten. Früher oder später würde schon jemand auftauchen und außerdem hatte er durch den Einfluss einer höheren Gewalt eine hervorragende Ausrede für sein Zuspätkommen. Und, was noch sehr angenehm war, er war mit Tanja eingeschlossen. Wenn er sich nicht allzu blöd anstellte, könnte er einen guten Eindruck bei ihr hinterlassen.
„Hicks. ... ähm, Tanja ... was ich dich schon immer mal fragen wollte ...“
„Ja?“
„Hast du eigentlich ... also bist du ... ich meine ... hast du einen Freund?“ Oh nee, dachte er zeitgleich, wie kann man nur eine derart blöde Frage stellen? So viel zu guten Eindrücken.
Tanja schien das ähnlich zu sehen, zumindest zeigte sich, dass sogar Engelsgesichter reichlich dumm aus der Wäsche kucken können.
„Wie? Wie kommst du denn jetzt darauf? Spinnst du? Wir sind hier eingeschlossen, es passiert wer weiß nicht noch was, und du fragst mich, ob ich einen Freund habe? Willst du die Situation etwa ausnutzen? Ich warne dich – ich kann Karate. Komm mir bloß nicht zu nahe!“
„Oh, nee, so war das nicht gemeint.“ Chris fuhr sich peinlich berührt durch seine Haare. „Ich wollte nur, also, ich dachte nur, ich könnte dich ein bisschen ablenken.“
„Ach so. Du willst mich ablenken?“ Irgendwie schwang eine gute Portion Ironie in Tanjas Stimme mit. „Ablenken? Ich habe schon genug Angst wegen dem Scheißfahrstuhl, und du machst mich jetzt auch noch an? Damit willst du mich ablenken? Hast du überhaupt kein Fingerspitzengefühl? Schau dich doch mal an! Du bist ein Mann. Ich bin eine Frau. Männer wollen immer nur das eine und Frauen nicht. Wir sind hier im Fahrstuhl eingeschlossen, keiner hört uns, du bist männlich, ich bin weiblich, und du vermittelst mir das Gefühl, dass du was von mir willst? Wie soll ich mich denn da fühlen?“
„Ich dacht ja nur – hicks.“
„Denk mal lieber darüber nach, wie wir hier rauskommen.“
„Okay.“
„Und?“
„Na, so schnell geht das nicht.“
Tanja verdrehte die Augen und gab einen für ihren schmächtigen Körper erstaunlich tiefen und rauen Brummton von sich.
Plötzlich veränderte sich etwas in dem kleinen Raum. Es war nicht greifbar, nicht hörbar, es war eher zu fühlen, es war, als würde man aus der freien Natur in einen mit tonnenweise elektronischem Equipment voll gestopften Raum kommen. Die Luft flimmerte – nicht sichtbar – nur fühlbar.
Chris spürte es.
Tanja spürte es.
Da aber zwischen beiden eine Art Missverständnis kreiselte, schwiegen sie.
Einige Sekunden später erklang ein Ton. Leise. Summend. Sehr leise, aber hörbar. Und irgendwie unangenehm.
Chris fand seine Sprache zuerst wieder. „Scheint mir, als würde es weitergehen. Zumindest brummts.“
„Ja, toll. Aber ansonsten tut sich nichts.“
Kaum hatte Tanja diese Feststellung getroffen, ruckelte der Fahrstuhl an. Er fuhr eindeutig nach unten.
„Das verstehe ich jetzt nicht“, meinte Chris.
„Was denn?“
„Na, schau doch mal: Laut der Anzeige fahren wir nach oben. Aber der Fahrstuhl fährt doch nach unten.“
„Das ist mir völlig egal. Hauptsache er fährt und wir kommen hier raus.“
Der Fahrstuhl vollführte weiterhin seinen unbeirrbaren Weg nach unten. Der Summton verstärkte sich, jedoch nur so wenig, dass es den beiden nicht auffiel. Die knisternde Atmosphäre war ebenfalls noch vorhanden, da aber Chris und Tanja von der zu erwartenden Befreiung diese nicht mehr wahrnahmen, spielte sie keine so große Rolle mehr.
Das Lämpchen, das die passierenden Etagen anzeigte, blieb auf der 15 stehen. Laut der Anzeige hatten sie also die höchste Etage erreicht. Trotzdem fuhr der Fahrstuhl weiter – nach unten.
„Irgendwas ist völlig im Eimer“, sagte Chris und zeigte auf die Anzeige. „Wir sind ganz oben. Fahren aber immer noch nach unten.“
„Und was sagt uns das?“
„Keine Ahnung. Eben dass die Anzeige im Eimer ist.“
Sie schwiegen und fuhren weiter.
Tanja wurde allmählich unwohl. „Das kann doch nicht sein! Ich meine, wie lange sind wir denn nach oben gefahren? Ich glaube, wir sind im vierten Stock hängen geblieben. Und wir fahren immer noch nach unten. Unter dem Eingangsbereich, in dem wir eingestiegen sind, ist nur noch der Keller. Tiefer geht´s nicht. Und so langsam fahren wir auch nicht, dass das mit der langen Fahrt zu erklären wäre. Chris ... WO ZUR HÖLLE FAHREN WIR HIN?“
„Mensch Tanja, schrei nicht so. Ich weiß es nicht. Wir fahren nach unten. Irgendwann kommen wir unten an. Geht ja gar nicht anders. Oder glaubst du, der Kasten buddelt sich in den Boden ein?“
In diesem Moment ließ der leichte Druck auf den Körpern der beiden Menschen nach. Es war ein Zeichen dafür, dass sich die Geschwindigkeit des Fahrstuhls verlangsamt hatte. Und tatsächlich, nach einigen weiteren Sekunden blieb er stehen. Jedoch geschah erstmal nichts weiter. Auch wenn die beiden wie gebannt auf die Tür starrten und hofften, sie würde sich endlich öffnen – geschah nichts. Rein gar nichts.
Stattdessen drängte sich der seltsame Summton wieder in ihr Gedächtnis. Ebenso verstärkte sich die unangenehme Atmosphäre, sie bekamen das Gefühl, als würde jemand neben ihnen stehen, sich bewegen, sie dabei jedoch nicht berühren. Es war, als wäre der Fahrstuhl voll mit Menschen, die man nicht sehen konnte.
Chris und Tanja sehen sich an.
„Ich habe Angst!“, flüsterte das Mädchen. „Irgendwas stimmt hier nicht.“
Und damit glitten die Türen des Fahrstuhls auseinander. Offensichtlich war in der gesamten Firma das Licht ausgefallen, denn sie konnten beide die Etage, in der sie gelandet waren, nicht erkennen. Es war stockdunkel. Selbst die Beleuchtung des Fahrstuhls reichte nicht aus, um die Etage auch nur ansatzweise zu erhellen.
Stattdessen trat wie aus dem Nichts ein Mann in den Fahrstuhl. Er war mittleren Alters und gut gekleidet.
„Na endlich!“, begrüßte Chris ihn und machte einen Schritt auf ihn zu. „Haben Sie eine Ahnung, was mit dem Fahrstuhl ist? Und was das vorhin für ein Knall war?“
Der Mann antwortete nicht. Er nahm von Chris überhaupt keine Notiz, ging einfach einen Schritt zur Seite, um mit dem jungen Mann nicht zusammenzustoßen und fixierte Tanja.
„Ähm, hallo?“, fragte Chris nochmals nach. Na ja, auch egal. Ich steig jetzt aus, und dann nehme ich die Treppe.
Er setzte einen Fuß Richtung Türen.
Plötzlich schien der Fremde Chris doch wahrzunehmen, allerdings ohne ihn dabei anzusehen, er streckte einfach nur den Arm und versperrte ihm damit den Weg.
„Du kannst da nicht raus“, sagte er. „Niemand kann hier raus.“
„Ja, ne ... wie jetzt? Klar kann ich raus. Sie werden mich bestimmt nicht aufhalten.“
Diese Zurschaustellung seiner Entschlossenheit schien den Mann überzeugt zu haben, denn er ließ den Arm sinken und machte damit Chris den Weg frei.
Da außerhalb der Kabine völlige Dunkelheit herrschte, verließ Chris den Fahrstuhl nicht direkt, er blieb an der Schwelle kurz stehen, schob den Kopf vor und lugte in die Etage, in der sie stehen geblieben waren. Er sah nach rechts – nichts. Er sah nach links – noch weniger. Gerade wollte er vollends die Etage betreten, da verstärkte sich der Summton in einem Kopfschmerz verursachendem Maße – schoss in Chris` Ohren wie ein Blitz. Erschrocken schnellte sein Kopf zurück in die Kabine und Sekundenbruchteile später knallten die beiden Türen direkt vor seiner Nase zu. Sie schlossen sich derart schnell, dass Chris´ den Luftzug spüren konnte.
Er drehte sich um.
Und was er dann sah, überstieg sein Fassungsvermögen.
Seit der Mann den Fahrstuhl betreten hatte, hatte er sich nicht weiter mit Tanja beschäftig, er war viel mehr mit sich selbst beschäftigt, doch jetzt, als sich wieder umgedreht hatte, den Rücken des Mannes sah und an ihm vorbei das Gesicht des Mädchens, klappte ihm die Kinnlade auf.
Nie zuvor hatte er sie so gesehen. Nie zuvor hatte er einen Menschen so gesehen. Nicht, dass sich Tanja auf einmal verändert hätte, sie war immer noch sie selbst, obwohl ihr Anblick ihn zweifeln ließ. Es war etwas mit ihrem Gesicht passiert.
Dieser fremde Mann stand vor ihr – stand einfach nur vor ihr, tat nichts, sagte nichts, verweilte wie eine Statur vor dem Mädchen – und sie sah ihn an.
Man kann versuchen sich vorzustellen, wie sich das Gesicht eines Menschen ändert, wenn dieser Mensch unbeschreibliche Qualen erleidet. Was das für Qualen sein mögen, bleibt der Fantasie eines jeden selbst überlassen. Aber hier geht es nicht um einen verstauchten Knöchel, um eine gebrochene Nase, hier geht es um mehr, das sei nur kurz angemerkt. Am ehesten würde Tanjas Gesicht mit dem Gesicht einer Wachsfigur zu vergleichen sein, deren mehr oder minder talentierter Künstler ein arges Gestaltungsproblem mit der Physiognomie des menschlichen Schädels hat. Oder als ob das Wachsgesicht zu viel Wärme ausgesetzt worden war – es zerlief. Es war, als ob Tanjas Gesicht in die Länge gezogen worden wäre: Ihre Augen hatten ihren Durchmesser mehr als nur verdoppelt, das Weiße darin stand in keinem Verhältnis mehr zur Iris – diese hatte nun nur noch die Größe von Stecknadelköpfen, und ihr Mund ... bei Gott!, schoss es Chris durch den Kopf, was ist mit ihrem Mund? Die ehemals sanften Brückenlippen hatten sich in kalte, rostige, verlassene Bahngleise verwandelt, die in einer Schrottpresse steckten und mitleidslos zusammen gebogen wurden. Die untere Lippe schien noch über ihr Kinn hinauszuragen, die obere berührte ihr Nase – zu alledem erschien der Mund in seiner Gesamtheit für den Rest des Kopfes einfach zu groß, er nahm viel zu viel Platz in ihrem Schädel ein. Tanja sah einfach nicht mehr richtig aus. Sie schien zu schreien – tonlos – einen Schrecken von sich zu geben, der selbst mit den Eindrücken der Hölle nicht zu beschreiben wäre.
Was zum Teufel sieht sie?
Chris blieb wie angewurzelt stehen, er war unfähig, sich zu rühren, irgendwas zu tun. Er war selbst mit einem Male eine Steinfigur mit einem arbeitenden Verstand – alle Eindrücke in sich aufnehmend, doch unfähig, etwas an dem Zustand des bewegungslosen Körpers zu ändern.
Plötzlich hob der Mann den Arm. Er streckte die Hand aus. Die Hand näherte sich Tanjas unmöglichen Gesicht, berührte ihre Wange, und was dann mit Tanjas Gesicht geschah, konnte sich Chris nicht mehr mit ansehen. Er schloss die Augen.
Wie von weiter Ferne hörte er eine Stimme, vermischt mit dem unangenehmen Summton, fusionierend mit der aufgeladenen Atmosphäre, und diese Stimme sagte: „Es tut mir so leid, mein Schatz.“
Kaum war der Satz verklungen, traf Chris eine Wand aus Eis. Dieser Einschlag des plötzlichen Temperaturfalls war derart gewaltig, dass Chris die Augen aufriss.
Er wünschte sich, dass er es nicht getan hätte. Der Mann war verschwunden. Chris war allein im Fahrstuhl. Allein mit Tanja. Allein mit dem, was Tanja einmal gewesen war.
Das „Ding“, das sich jetzt mit ihm in dieser Kabine befand, trug zwar noch immer den weißen Hosenanzug, der die zierliche Gestalt eines jungen Mädchens verdeckte, doch der Kopf ... dieser Kopf ... war das noch ein menschlicher Schädel? Wurde innerhalb von Sekunden das Wachsgesicht abgebrannt, verschmolz es zu einer unidentifizierbaren Masse, war das überhaupt noch irgendetwas, das man irgendwie beschreiben konnte?
Chris bekam nicht mehr die Zeit, darüber nachzudenken.
Das Licht im Fahrstuhl ging aus. Der Fahrstuhl fiel. Er fuhr nicht einfach nach unten, das haltende Stahlseil schien gekappt, der Stahlkasten fiel ins Bodenlose, immer weiter, beschleunigte immer weiter, so dass Chris allmählich spürte, wie seine Gedärme zusammen gepresst wurden. Er machte sich in die Hose.
Und dann schrie sie. Das nicht zu erklärende Etwas, das sich mit ihm in der Kabine befand, schrie. Chris wollte der Schädel platzen. Irgendwie schaffte er es, aus diesem Tumult von permanenten Summton und dem Schrei dieses Wesens einzelne Wörter zu vernehmen.
„VATER!!! VATER!!! DU BIST TOT!!! SEIT DREI JAHREN BIST DU TOT!!! DU KANNST NICHT HIER SEIN!“
Die Wärme zwischen Chris Beinen breitete sich weiter aus. Er spürte, wie sein Herz schnell und unregelmäßige Doppelsprünge vollführte, wie eine eiskalte Hand seine Schläfen ergriff und seinen Schädel wie in einem Schraubstock zusammenpresste.
Was der Realität entsprach. Da es im Fahrstuhl stockdunkel war, spürte er nur die Hände, spürte den eiskalten Körper seiner Kollegin an sich, wie sie sich an ihn klammerte, ihr Wachsgesicht, das kein Gesicht mehr war, an sein Gesicht presste, wie ihr Mund sein Ohr suchte und hinein schrie: „WIR SIND TOT!“
Nach gefühlten drei Stunden schaltete Chris` Hirn ab. Er ergab sich seinem Schicksal.
Sie hatten die Explosion in der Firma „Knallcharge & Co“ nicht überlebt.
Ich sollte aufhören zu saufen, dachte Chris noch.
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inselchen* (offline)
Administrator




Wenn Freunde sich wirklich annehmen, ist es ein Geschenk.

Beiträge: 17030
Geschlecht:
Mitglied seit: 27.09.2005

Deutschland
icon1   Re: Aufzugsgeschichte #3 Datum: 04.03.2010, 18:22  

Ahhh...
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icon1   Re: Aufzugsgeschichte oder wars das hier was du suchst? #4 Datum: 04.03.2010, 21:50  

Drei im Fahrstuhl


Gleichzeitig stiegen die beiden Herren in den Fahrstuhl ein.
„Tach Otto, wie geht’s denn?“ „Gut, geht’s mir Hagen und dir?“
„Mir geht’s ausgezeichnet, lieber Otto. Aber was machst du denn hier im Gebäude? Du arbeitest doch sonst in Nebengebäude.“ „Ja, ich hab heute was ganz Besonderes vor.“ „Au ja, entgegnete Hagen, du bist ja heute in Anzug und Krawatte, wow. Also wo geht’s hin?“ „Aufwärts, in die obere Abteilung“, entgegnete Otto stolz.“ „Ah, ja, interessant, worum geht es denn da?“ „Ach, da möchte ich jetzt nicht drüber sprechen, ist noch geheim, ich weiß ja nicht, ob es klappt“, kam es bescheiden und etwas verhalten von Otto zurück. „Ah, ja, tu mir nur bitte einen Gefallen, rede mich mit Sie an, wenn wir uns dort oben begegnen, du weißt schon, ich bin ja emporgestiegen und es muss ja nicht jeder wissen, dass wir damals immer in der Wirtschaft und schon gar nicht… na ja, du weißt schon, gehört der Vergangenheit an“, kam es von oben herab.
Otto schluckte, er hatte sich ja schon ein wenig auf seinen Gesprächspartner eingelassen, nickte aber demütig und schaute unterwürfig in den Spiegel.

„Sag mal, bilde ich es mir ein oder fährt der Fahrstuhl nicht?“, fragte Hagen. Otto drückte dann gleich geistesgegenwärtig den zuständigen Knopf.“ Ah, da kam eine Stimme durch die Sprechanlage. „Bitte haben Sie noch ein wenig Geduld, hier ist eine kleine Panne, die ist gleich behoben. Bleiben Sie ganz ruhig.“ „Hm“, kam es aufgeregt von Otto. „Ich hab aber einen Termin mit dem Personalchef und dem Vorstand, da muss ich pünktlich sein, bitte versuchen Sie Ihr Bestes!!!“
„Ah, interessant, toll Otto, du möchtest ein bisschen emporsteigen, gönn ich dir. Nun, da wir ja hier nun einmal warten müssen, sag doch mal, um welchen Posten es geht.“ Otto zögerte und dann fragte er: „Sag doch mal, wie hast du das denn gemacht, dass du so einen Abteilungsleiterposten bekommen hast?“„Och“, war die Antwort „ganz einfach, ich bin halt fähig.“ „Tja, aber es stand doch damals schon fest, dass diese Frau, Steine dings bums oder so die Stelle bekommen sollte. Wie konntest du dann erreichen, dass du, der du auf der Zwischenstation warst, der Favorit wurdest?“ Hagen klopfte Otto wohlwollend auf die Schulter: „In Anbetracht unserer alten Sauf- und Weiberzeiten verrat ich dir ein Geheimnis: „Du musst an der richtigen Stelle ein paar Gerüchte in die Welt setzen, ein bisschen buckeln und schleimen, wo es erforderlich ist, du weißt schon.“ „Tja, meinst du wirklich?“, fragte Otto nachdenklich und ein wenig beeindruckt von seinem Gesprächspartner, aber dann drückte er wieder auf den Aufzugsknopf und flehte: „Pater Noster, machen Sie schnell, ich habe einen dringenden Termin!“ Beruhigend kam eine Stimme von außen. „Wir kriegen das in den Griff“, keine Sorge, „in der Ruhe liegt die Kraft.“
„Mannomann, ich darf nicht zu spät kommen“, jammerte Otto vor sich hin. „Das Schlimmste ist ja, es wird gemunkelt, dass heute noch eine ganz neue Person eingeführt werden soll, die sehr wichtig sein soll.“ „Ja, hab ich auch gehört“, antwortete Hagen wichtig „und das Lachhafte an der Sache ist, das soll auch noch eine Frau sein. Aber da hab ich keine Angst davor, diese Steineborn hab ich auch in den Griff bekommen, die wurde dann ja nicht genommen.“ „Und wie kam das?“, fragte Otto. „Nun ja, ganz einfach, die hab ich zum Essen eingeladen, ein bisschen aushorchen wollen.“ „Und hat das geklappt?“ „Nun, nicht auf Anhieb, Otto, ich bin ja ein Mann“ und er deutete vielversprechend auf ein gewisses Körperteil und sagte zwinkernd. "Du hast sie ja schon richtig beim Namen genannt." Beide lachten. „Und das hat funktioniert?“, wunderte sich Otto. „So kann man austrixen?“ „Nun, Mann muss nur Wege wissen, wie man an Infos kommt, die man dann für sich nutzen kann“, prustete Hagen heraus. Otto fand das alles ganz interessant, doch seine Nervosität stieg, wieder drückte er den rettenden spendenden Knopf und erneut kam: „Bitte etwas Geduld.“ Es hallte nach: "Geduld, Geduld, Geduld."„Oh, Mannomann, wenn wir zu spät kommen, für dich ist es ja nicht so schlimm, du hast ja die Stelle schon und die Probezeit ist doch sicher auch rum, aber für mich ist es schlimm.“ „Mach dir da mal nicht ins Hemd, du kommst einfach mit ganz viel Charme, lächelst alle an und machst einen Witz über die Technik von heute. Ach, "das mit der Probezeit kein Thema, nicht für mich." Und nun sag mir doch mal, für welchen Posten du dich beworben hast.“, kam es von Hagen, der seinem ehemaligen Kumpel wieder auf die Schulter klopfte. Der stetig nervöser gewordene Otto sagte: „Wenn du es keinem verrätst, es ist die Stelle des Technischem Leiters, so was Verrücktes, die Technik stellt uns hier einen Streich und ich soll Technischer Leiter werden.“ Er lachte gequält. „Nochmal, was für eine Stelle?“, fragte Hagen alarmiert. Und Otto wiederholte seine Antwort. Hagen stockte der Atem, es durchfuhr ihn eiskalt. Er fing plötzlich an zu stottern, aber Otto merkte das in seiner Aufregung nicht und fragte: „Hast du einen Tipp für mich?“ Hagen holte tief Luft, eine Pause entstand, er wollte aber nicht stehenbleiben und so klopfte er dem anderen erneut auf die Schulter, was dieser als immer unangenehmer empfand. „Du musst die Vorzimmersekretärin etwas bestechen, ihr schöne Augen machen usw. Wir sind doch keine Empörkömmlinge, wir sind natürliche Aufsteiger. “
Bei sich dachte Hagen: `So, das war die richtige Antwort, der blitzt schneller ab, als er denken kann. Er wird stürzen wie alle anderen. Hi hi. Also ist an der Verwarnung doch was dran, das werd ich zu verhindern wissen. Die Probezeit dauert ja noch 3 Wochen, ich lass mich nicht aufhalten, ich nicht..`
Jetzt wurde auch Hagen nervös, wollte grade auf den Knopf drücken, da hörte er im Hintergrund Stimmen, die sagten: "Sagen Sie weiterfahren." "Ja, weiterfahren!" schrie Hagen, "Weiterfahren, weiterfahren." "Sagen Sie, ich möchte nach oben.", kam die Stimme. Die beiden Männer vernahmen von außen leises Kichern. „Mein Gott, die Sprechanlage, du Depp!“, flüsterte Hagen aufgeregt. "Pater noster", kam es jetzt von Otto im Flüsterton, "Pater noster".

In dem Moment gab es einen Ruck, der Aufzug fuhr aufwärts, im nächsten Stock stieg ein graumelierter Herr im Anzug ein und nickte den Beiden kurz zu.“ Hagen machte unterwürfig einen Diener: „Guten Tag, Herr Vorsitzender. Die Verspätung tut uns sehr leid, es war nicht unsere Schuld.“ Der angesprochene Herr würdigte die "Herren" kaum eines Blickes und entgegnete: „Sie müssen sich darüber keine Sorgen machen.“ „Aber aber, ich habe ein Vorstellungsgespräch“, kam es fast weinerlich von Otto. Knapp antwortete der Herr: „Auch darum müssen sich sich nicht sorgen, Herr Duckmänne, es ist bereits jemand die Treppe hoch gefallen. Oder sollte man sagen, jemand sei hoch gegangen?“ Hagen versuchte einen Scherz: „Na wie gut, dass niemand gegangen wird, wurde oder werden wird, lustiges Wortspiel, nicht wahr, ha, ha….“.
„Nun, über diesen Scherz können Sie sich ja gelegentlich mit Frau Dr. von Steineborn unterhalten, Herr Tronjeprotz, gedulden Sie sich noch zwei bis drei Wochen, Sie werden verstehen, dass die Dame in ihrer neuen hohen Position nicht so viele Termine zur Verfügung hat. Allseits gute Fahrt, meine Herrn. Und immer schön auf dem Boden der Tatsachen bleiben."
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