Stefanos Bulletin Board
URL: https://inselchen.com/cgi-bin/sbb138/sbb.cgi?&a=show&forum=87&show=16
Thema: Siegerehrung des Wettbewerbs Dezember 2007

icon1 Siegerehrung des Wettbewerbs Dezember 2007 Datum: 06.12.2007, 17:28
inselchen* (Administrator)


Wettbewerb: Advents- und Weihnachtszeit in Kinderaugen


Platz 1: Weihnacht in Kindertagen und Warten auf Weihnacht

Der Sieger des Wettbewerbs ist André Steinbach. Auf beide seiner Gedichte fielen gleich viele Stimmen und so werden sie hier beide aufgeführt:

Weihnacht in Kindertagen

Manchmal erzählt der Wind aus meinen Kindertagen,
als mir die Nächte noch viel länger schienen
und ach wie kurz die Tage waren.
Da lag Weihnachten oft im weißen Glanz.
Im Hause war es warm und es schien Licht.
Und wie es dann so war,
als man sich noch so freute,
aufs Weihnachtsfest.


War nicht die Zeit davor die schönste Zeit,
Adventszeit, mit dem Duft von Weihnacht
in der Küche,
die Zeit der Bratäpfel,
der Duft von Spekulatius, von Gewürzen,
so wie der Weihrauchduft einst jene
Nacht, in der das Kind geboren,
so unterschied von andren Nächten.


Für mich war es die schönste Zeit,
wenn meine Mutter mich um Hilfe bat,
da wurde Teig geknetet
und in der Küche lag der Hauch
von Koriander und von Nüssen.
Dann fand ganz heimlich auch
so manche Köstlichkeit den Weg zum Mund.


Es war die Freude auf das Weihnachtsfest,
das damals noch viel mehr war als nur Schenken.
Und oft noch kehren meine Sinne
in diese Zeit zurück, die mir so viel bedeutet.
Dann schließe ich die Augen,
dann dringt der Duft mir wieder in die Nase,
so wie es damals war, als ich so voller Stolz
und voll Erwartung auch meinen Teil
dazu gab zu dem großen Fest.


(c) André Steinbach


Warten auf Weihnacht

Dezember öffnet seinen Himmel,
Kristalle tanzen weihnachtlichen Reigen.
Und Bäume hüllen ihre Zweige, Rinden
in ein zerbrechliches Gespinst
aus klarer Luft und Reif.


Noch aber hat kein Schnee
den weiten Weg
zu Wald und Flur gefunden.
Und nur der Vogel Rauhreif
pudert jetzt mit seinem zarten Flaum
ganz hastig Wege, Felder ein.
Träumt einsam seinen Kindheitstraum
von klarer Luft und kalten Tagen.


Weihnacht ist jetzt auch schon ganz nah.
Von überall her
klingen schon die ersten Weihnachtslieder,
ein weihnachtlicher Duft
vermischt sich mit kristallner, klarer Luft
voll Freude auf den Weihnachtsabend.
Die Weihnachtsmärkte spiegeln ihren Glanz
in großen Kinderaugen
weit über stille Häuser,
stille Straßen.

(c) André Steinbach


Platz 2: Ägypten

Ägypten von maria braig


Es war letzte Weihnachten. Wie immer wurde unter dem Tannenbaum die Krippe aufgestellt und dieses Mal gab es von den Großeltern als Beigabe zwei Kamele. Sie machten sich gut inmitten der Krippenlandschaft, groß mit arrogantem Blick standen sie da und ließen die Schafe samt ihren Hirten, die sich wie jedes Jahr wieder um das Kind in der Krippe versammelt hatten, völlig verblassen.
Und mit diesen Kamelen begann es. Carolina, mit ihren fünf Jahren schon alleinige Beherrscherin des gesamten Haushaltes verliebte sich hemmungslos in diese mächtigen Tiere. Stundenlang konnte sie vor der Krippenlandschaft stehen, mit den Kamelen Auge in Auge Zwiesprache halten, sie schienen ihr tausend Dinge aus ihrer Heimat zu erzählen, die Carolina tief beeindruckten, sonst aber niemandem zugänglich waren. Und abends legte sie die Kamele schlafen. Man hätte meinen sollen, sie würde ihre Lieblinge mit ins eigene Bett nehmen, aber nein, die Kamele hatten ihr wohl erzählt, dass sie sich in ihrem eigenen Zuhause am wohlsten fühlten und sich vom täglichen Zwiegespräch hier am besten erholen konnten.
Weihnachten ging wie jedes Jahr vorüber und Carolina weinte bitterliche Tränen, als die Zeit kam und die Kamele in der großen Krippenpappschachtel verschwinden sollten, um hier ein Jahr lang auszuruhen.
Und nun begann es. Täglich erzählte Carolina Geschichten, die ihr die Kamele erzählt hatten und diese endeten immer mit dem Satz: Ich habe meinen Freunden versprochen, ihre Familie in Ägypten zu besuchen und ihr zu berichten, dass sie es bei uns gut haben. Jeden Tag, wochenlang, monatelang: „Ich habe meinen Freunden versprochen, ihre Familie in Ägypten zu besuchen und ihr zu berichten, dass sie es bei uns gut haben“.
Wen wundert es da noch, dass nichts anderes übrig blieb, als im Sommer einen Urlaub nach Ägypten zu buchen. Carolina hatte die Macht über die Familie endgültig an sich gerissen, niemand konnte ihre tägliche gebetsmühlenähnliche Beschwörung noch länger ertragen.
Und so fanden wir uns denn alle in einem Flugzeug nach Ägypten, nicht um wie andere Leute ein paar erholsame Wochen am herrlichen Sandstrand zu verbringen, Pyramiden zu bestaunen oder die Wunder der Wüste zu entdecken, nein wir waren unterwegs, um der Familie von Carolinas Freunden Gutes von ihren Angehörigen zu berichten.
Es kam wie es kommen musste, Carolina verbrachte ihre Tage Auge in Auge mit den Familienangehörigen unseres höckerigen Krippenpersonals und versank glücklich und zufrieden im Zwiegespräch mit ihnen. Einziger Unterschied zu Weihnachten, sie legte die Kamele abends nicht schlafen, das machten diese von ganz alleine.
Aber auch dieser Urlaub in Ägypten ging zuende, es gab viele heiße Tränen und doch traten wir den Rückflug ohne Widerspruch von Seiten Carolinas an, denn sie musste ja ihren Freunden zuhause von der Verwandtschaft berichten. Still saß sie im Flugzeug, wir waren wohl dieses Mal nicht würdig, zu erfahren, welche Geschichte ihr ihre neuen Freunde in Ägypten erzählt hatten.
Aber sie platzte beinahe, es war nicht zu übersehen. Ihre Botschaft an die in der Krippenpappschachtel eingelagerten Kamele musste überbracht werden, musste aus ihr raus, sonst würden wir nicht mehr glücklich werden bis das nächste Weihnachten kam.
Und so kam es, dass die Krippenkamele bereits im Spätsommer ihre mitverpackten Schafe und Hirten verlassen durften und die Zeit bis Weihnachten in Carolinas Zimmer verbrachten, wo sie ihnen fast ohne Unterbrechung das erzählte, was die Angehörigen ihrer Freunde sie zu erzählen beauftragt hatten.
Was für ein Glück, dass Klapperschlangen und Eisbären nichts in einer Krippenlandschaft verloren haben.

© maria braig

Platz 3: Advents- und Weihnachtszeit in Kinderaugen

Advents und Weihnachtszeit in Kinderaugen

Schon weit vor Weihnacht spiegeln sich
Sehn-Süchte in den Kinderblicken
Ob Online-Werbung, Shopping-Tour
Der Lichterglanz in Ladenräumen
Lässt Kinder von den Dingen träumen
Die ständig in ihr Blickfeld rücken

Nicht nur den Weihnachtsbaum zu schmücken
Ihn aussuchen, mit Papa kaufen
Die Vorfreude wenn Mama, Oma
Zur Weihnachtszeit erfüll´n die Luft
Mit Glücksgefühlen, Weihnachtsplätzchenduft
Lässt´s Wasser im Mund zusammenlaufen

Allerlei Gebäck zuhaufen
Vanillekipferl heimlich naschen
Auf Opas selbst gemachter Krippe
Die Weihnachtsengel blankzureiben
All das wird im Gedächtnis bleiben
´nen Blick auf das Geschenk erhaschen

Wo noch gelingt ein Überraschen
Und Lieder nicht nur von CDs erklingen
Die Weihnacht nicht nur Ladenkassen füllt
Die Liebe nicht nur Hand und Magen
Lebt Christus nicht als Christkind nur in Sagen
Um Kindern Hoffnung – die nur kostspielig – zu bringen

© Bärbel Maiberger

http://www.baerbel-maiberger.de

Wir gratulieren allen Siegern herzlichst, sie erhalten alle einen Buchpreis:
Die Anthologie: Im Dschungel der Phantasie, Hrsg. Elfie Nadolny mit Werken von Mitgliedern des Inselchen-Forums.

Die Jury hatte es unter der Vielzahl der schönen eingesandten Gedichte und Geschichten nicht leicht. Wer nicht unter den ersten 3 Plätzen ist, ist auch ein Sieger und eine Auswahl der schönesten Gedichte und Geschichten findet ihr unter: Geschichten von Gästen auf dem Weihnachtsinselchen. Allen herzlichste Glückwünsche, vielen Dank fürs Mitmachen und weiterhin viel Erfolg für alle.

Die Jury des Inselchen-Teams








icon1 Re: Siegerehrung des Wettbewerbs Dezember 2007 Datum: 07.12.2007, 11:09
Wolf (Insel-Experte)
Auch ich gratuliere den Siegern ganz herzlich - alle haben auf ihre Art die weihnachtliche Stimmung, teils in schön aufbereiteten Erinnerungen an ihre Kindertage, sehr schön aufgefangen und ausgedrückt!

Lieben Gruß
Wolf Opa

SBB © Druckbare Version von dem Thema Siegerehrung des Wettbewerbs Dezember 2007