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Herzlich Willkommen auf dem Weihnachts-Inselchen

Poesie, Fotos und mehr zu Weihnachten


 

..:~~ Weihnachtsmärchen ~~:..






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Weihnachten in der neuen Heimat

Es war einmal ein kleiner Junge, der in einem fernen Land in einem kleinen Dorf lebte.
Er wohnte mit seinen Eltern, 2 jüngeren Brüdern und den Großeltern in einem kleinen Häuschen, das der Großvater mit Hilfe von Verwandten vor langer Zeit gebaut hatte.
Mutter und Großmutter hielten da Häuschen sauber, kochten und sorgten für die Familie.
Der Vater hatte ein kleines einfaches Restaurant im Dorf, in dem er täglich zwei Gerichte aus der Heimat anbot und der Großvater hütete Schafe.
Es gab kein elektrisches Licht und keine sanitären Anlagen, wie wir sie kennen. Aber die Menschen kannten nichts anderes und waren mit ihrem Leben zufrieden. Sie lebten einfach und aus ihrem Glauben heraus.
Abends erzählte der Vater den Kindern aber immer von fernen Ländern, denn er hatte auf einem Bazar zwei Bücher erstanden, die ihn fasziniert hatten. Das eine war ein bebildertes Buch, in dem Fotos aus vielen Ländern waren, das andere war eine Zitatensammlung. Die Augen der Kinder leuchteten immer, wenn Vater erzählte. Mutter schmunzelte vor sich hin und dachte: „Lass sie mal träumen.“ Und Vater las vor:

Der Frosch im Brunnen ahnt nichts von der Weite des Meeres. (Chinesisches Sprichwort)

Bei unserem kleinen Jungen entbrannte eine Sehnsucht nach der Ferne in seinem Herzen und er dachte immer bei sich: „Es muss doch mehr geben, als das, was wir hier sehen und erleben. Ich möchte die Welt sehen, ich möchte mal in ein anderes Land.“

Eines Tages kam eine junge Reporterin in das Dorf, sie interessierte sich für die Gepflogenheiten des Landes und unterhielt sich mit den Leuten dort. Sie kannte ihre Sprache. Die Mutter sagte: „Wir sind nur eine einfache Familie, aber sie sind etwas Besonderes, Sie sind gebildet und fein gekleidet.“ „Nun“, entgegnete die junge Frau: „Sie haben Herzensbildung und bei uns begegnet man Fremden gegenüber mit viel mehr Vorsicht, mich beeindruckt Ihre Gastfreundschaft.“ Aber die Fa-milie wollte eine Menge über das andere Land wissen und den kleinen Jungen faszinierte alles so. „Ich möchte auch mal eine andere Sprache lernen, eine andere Kultur sehen.“ Nachdem die Dame abgefahren war, entwickelte sich eine Brieffreundschaft und die junge Frau schickte viele Postkarten aus ihrem Land. Abends schwärmten die Kinder und Vater hatte ganz ver-klärte Augen. Eines Tages kam eine unschöne Situation in das Land, wo die Familie wohnte. Not drohte, aber dennoch war ein Schutzengel bei ih-nen. „Vater“, sagte der Junge, der schon nicht mehr so klein war, „wir sollten es versuchen, wir sollten in das andere Land gehen!“ Und sie lasen wieder in dem Zitatenbuch und holten sich dort Kraft. Dort stand, man könne Mögliches errei-chen, wenn man sich das Unmögliche zum Ziel setze.

Sie sprachen mit dem Obersten des Dorfes und er schaffte es, ihnen eine Aufenthaltserlaubnis zu bewirken. Es war wie ein Wunder. Die Mutter hatte ein wenig Angst, sagte aber: „Wenn es Allahs Wille ist...“. Die Großeltern entgegneten, sie wollten nur das Beste für ihre Kinder und Enkel, sie sollten ziehen wie der junge Adler, aber es sei Allahs Wille, dass sie selber auf dem Boden ihrer Heimat ihre letzte Ruhestätte finden sollten.
Mit Hilfe von Freunden und aus eigener Kraft erreichten sie das, was sie für unmöglich gehalten hatten. Sie machten in dem neuen unbekannten Land einen kleinen Imbiss auf mit Speisen aus ihrem Land. Und das Geschäft ging gut. Die Menschen dort waren von der Herzlichkeit und Gast-freundschaft der Familie sehr angetan, das Essen schmeckte ihnen und war für ihre Verhältnisse sehr preiswert. Aus dem Sohn wurde ein junger Mann, der nach und nach die Sprache des Landes lernte, aber er wollte noch viel mehr lernen. Er wollte sich an die Sitten und Gebräuche des Lan-des anpassen, er wurde immer mehr einer von ihnen. Die Mutter mahnte: „Ich finde es sehr gut, wie du dich hier anpasst, aber vergiss nie deine Heimat und dein Blut.“ „Ja, das will ich beherzigen“, antwortete er, aber ich muss noch viel mehr lernen. Und nun beschloss er, eine Ausbildung zu machen, er bewarb sich und bekam einen Platz.
In seiner Lerngruppe war er sehr bald bei Mitlernenden und Lehrenden sehr beliebt, denn er war immer freundlich, fröhlich und hilfsbereit. Er machte keinen Unterschied, ob jemand jünger oder älter war oder welche Nationalität er hatte, er nahm die Menschen, wie sie waren. Er hatte gute Ideen und Freude am Lernen.

Doch dann traf etwas ein, was er, der schon so viel geschafft hatte, nicht kannte. Er musste sich einer Prüfungen unterziehen. Er strengte sich an und an, aber das war zu viel. Hinzu kam, dass er noch im elterlichen Betrieb mitarbeitete, damit die Familie ihren Lebensunterhalt hatte und sie den Großeltern Zuwendungen schicken konnten. So hatte er monatelang eine Doppelbelastung. Die Prüfung kam und das Ergebnis auch: „Durchgefal-len!“
„Durchgefallen, durchgefallen, durchgefallen!“, spukte es in seinem Kopf herum. In seinem Kopf drehte sich alles, er nahm die anderen nicht mehr wahr, die versuchten, ihn zu beruhigen. „Gib nicht auf!“, sagten die, die um ihn herum waren, aber er hörte es nicht. Als er nach Hause kam, schämte er sich gewaltig vor seiner Familie. „Schau“, sagte der Vater, wir haben schon so viel geschafft, wir sind in dieses Land gekommen, wir kommen hier zurecht. Du bist nicht weniger wert, weil du ein-mal etwas nicht geschafft hast.“ Tagelang war der junge Mann völlig apathisch, aber er bekam Anrufe: „Gib nicht auf, versuche es noch einmal.“ Als der Vater das mitbekam, holte er das Zitatenbuch hervor und las. Er stutzte und sagte dann: „Mein Junge, setze dir das Unmögliche zum Ziel, dann wird es vielleicht möglich.“ Und dann sinnierten sie, dass das Leben an sich Lösungen bietet, nicht nur das Problem an sich.

Die Leute in seinem neuen Land sagten, er sei kein Versager, sie hätten auch von ihm gelernt, von seiner Herzlichkeit und Wärme und nun sei es ihre Aufgabe, ihm neuen Mut zu machen.
Und tatsächlich, er sprang über seinen Schatten und er lernte und lernte, doch wieder musste er so vieles lernen. Und die Mitglieder der Gruppe halfen sich gegenseitig. Dann kam der besagte Tag: der Tag der Prüfungen und der Tag, an dem die Ergebnisse bekannt gegeben wurden. Es war kurz vor Weihnachten, ein Fest, was in seinem Land nicht gefeiert wurde, aber was er in dem neuen Land so schön fand. Er wurde hereingerufen und konnte vor Aufregung kaum zuhören. Er hörte nicht: „Es war knapp, fast...“, er hörte nur noch das Wort: „Bestanden!“ „Bestanden“, jubelte er, ich habe bestanden. Alle freuten sich mit ihm und so beschlossen sie, ihre bestandene Prüfung in dem kleinen Lokal zu feiern, das ursprünglich mal ein kleiner Imbiss war. Die Kopie des Zeugnisses auf Büttenpapier hing im Speisesaal in einem goldenen Rahmen. Die jungen Leute wichtelten und spielten Weihnachtslieder aus verschiedenen Ländern, besonders aus seiner jetzigen Heimat. Er hatte es geschafft: Er gehörte in seine neue Heimat, aber ein Stück seiner ursprünglichen Heimat hatte er in seinem Herzen bewahrt. Seine Eltern waren stolz und tischten fröhlich auf.

Sollte es diesen jungen Mann nicht geben oder nicht gegeben haben, so könnte es vielleicht ähnlich gewesen sein. Wer weiß.....

© Elfie Nadolny, 2004



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(c)Klaus Nadolny

Glaubst Du an den Weihnachtsmann?

In der Straße vom kleinen "Püppi" wohnten viele Kinder, die gerne miteinander spielten und von den größeren Jungen und Mädchen in Obhut genommen wurden. So lernten die Kleinsten alles von den Großen. Eigentlich hieß Püppi aber "Siegfried" und war ein niedlicher, aufgeweckter kleiner Junge, den sie einfach so nannten. Er hatte rötliche, lockige Haare und konnte sich geschickt so mancher morgendlichen Kammprozedur entziehen, indem er einfach weglief und sich draußen zu den Kindern gesellte. Auch das Rufen der Mutter aus dem zweiten Stock nutzte nichts, denn er ergriff schnell die Hand eines größeren Spielkameraden und rief schelmisch nach oben: "Mama, ich spiel doch gerade so schön!".
Und welche Mutter kann da noch böse sein?
Die Vorweihnachtszeit, so hieß es, sei die schönste Zeit für kleine Kinder, denn dann wäre der Weihnachtsmann auch nicht mehr weit. Für die bösen Kinder trägt er eine Rute mit sich und so manches, größere Kind hat diese schon auf dem Hinterteil zu spüren bekommen.
Jedesmal, wenn Püppis Großmutter bei solchen Gesprächen dabei war, sagte sie barsch: "Es gibt keinen Weihnachtsmann!“.
Solche Aussprüche waren für Püppi nichts neues, aber er bemerkte, dass die Erwachsenen fast erschrocken zu ihm herunterschauten und erneut vom Weihnachtsmann sprachen, der bald kommen würde.
Einmal hörte Püppi, wie die größeren Kinder sich unterhielten.
"Glaubst du noch an den Weihnachtsmann?", fragte Sven und Timo antwortete empört: "Das tue ich schon lange nicht mehr, bin doch kein kleines Kind!".
Die anderen Kinder schienen sich über die Frage zu amüsieren. Nur das kleine Mädchen, das auf der gegenüberliegenden Straßenseite wohnte, sagte mit leiser Stimme: "Ich glaube an den Weihnachtsmann, denn letztes Jahr war er bei uns in der Wohnung und hat mir Geschenke gebracht!".
Wie aus einem Mund fragten die größeren Jungen und Mädchen nun den kleinen Püppi: "Glaubst du denn an den Weihnachtsmann?".
Wieso fragen die mich, dachte er im Stillen.
"Bei mir hat sich noch keiner blicken lassen," erwiderte er selbstbewusst.
"Sicher wird er dieses Jahr kommen!".
"Ja, ja, ganz bestimmt!", bestätigten die erfahrenen Kinder, denn sie wussten, dass der Onkel Walther aus der Nebenstraße jedes Jahr den Weihnachtsmann spielte.
Eines Mittags bemerkte Püppis Mutter: "Heute kommt der Onkel Walther zu uns zum Essen, da musst du dich anständig benehmen und ganz artig sein!".
"Oha, da gibt's was zu lachen", sprudelte es aus dem kleinen Kerlchen hervor, denn er war schon oft dabei gewesen, wenn alle Kinder der Straße zusammengekommen waren um Onkel Walthers lustigen Geschichten zu lauschen. Im Sommer saßen sie in seiner alten runden Laube im Garten und zur Winterzeit warm und gemütlich vor einem Ofen in seinem etwas schiefen Holzhaus.
Während die Mutter mit Kochen beschäftigt war, sah Püppi gespannt aus dem Fenster. Endlich kam der Onkel schlurfend die Straße entlang und wurde freundlich von den Anwohnern gegrüßt. Er stieg die Treppe hinauf und drückte auf die Klingel. Natürlich war Püppi als erster an der Tür und schaute recht vergnügt zu Onkel Walther hinauf, der ihn auf den Arm nahm und ihn mehrfach in die Runde schwenkte.
"So eine Begrüßung bringt mich ganz schön aus der Puste. Und es riecht ja bei euch so gut!", sagte er wohlwollend und rieb sich den Bauch.
Die Großmutter hielt sich im Hintergrund, denn sie wusste, was dieser Besuch bedeutete. Onkel Walther hatte eine tiefe, angenehme Stimme. Das Essen schmeckte allen, was man an den leeren Tellern sehen konnte. Dann verabschiedete sich der Gast, dankte für das gute Essen und rief beim hinuntergehen nach oben: "Dann bis bald!" und verschwand.
Die Großmutter, die sich nun zur Tür drängte, rief trotzig und laut ins Treppenhaus: "Es gibt keinen Weihnachtsmann!".
Püppi zog an der Hand der Großmutter und fragte: "Warum sagst du das immer?"
"Weil es keinen Weihnachtsmann gibt", erwiderte die alte Frau mit fester Stimme, setzte sich in den Sessel und griff nach ihrem Strickzeug.
Der Junge lebte die meiste Zeit des Jahres nur mit der Mutter und Großmutter zusammen, da der Vater als Entwicklungshelfer in verschiedenen Ländern der Erde gebraucht wurde. Doch zur Weihnachtszeit und im Sommer kam er für einige Zeit nach Hause.
Heute war es so weit. Als die Tür aufging, fiel der Püppi vor Aufregung vom Sofa und krabbelte auf allen Vieren zur Begrüßung dem Vater entgegen.
Ja, die Freude über das Wiedersehen war für alle riesengroß und nach einiger Zeit nahm der Vater seinen Sohn auf den Arm und sagte: "Bald kommt der Weihnachtsmann zu dir, und ich hoffe, dass du recht brav warst!".
"Es gibt keinen Weihnachtsmann", dröhnte es aus Großmutters Richtung.
Dann war endlich Weihnachten! Püppi und Großmutter wurden ins Schlafzimmer verbannt, während die Eltern liebevoll den Weihnachtsbaum schmückten und echte Kerzen an seinen Ästen befestigten. Aber Püppi wollte es genau wissen. Oma war so in ihre Strickarbeit vertieft, dass sie nicht darauf achtete, wie der Lockenkopf zum Schlüsselloch schlich und neugierig hindurch linste. Was er dort entdeckte, machte ihn nachdenklich...
Langsam ging er zum Fenster hinüber. Da kam der Weihnachtsmann! Mit Sack und Rute schlurfte er die Straße entlang und steuerte auf den Eingang des Hauses zu. Er schlurft genauso wie Onkel Walther, dachte Püppi, doch da hörte er auch schon ein lautes Klopfen an der Tür.
Eine ihm bekannte Stimme rief: "Wohnt hier der kleine Püppi?".
"Ja, komm herein lieber Weihnachtsmann!", antworteten die Eltern im Chor. Die Großmutter blieb im Schlafzimmer sitzen und strickte weiter ihre Runden.
"Es gibt keinen Weihnachtsmann", murmelte sie in gewohnter Weise. Das Kind riss ungeduldig die Wohnzimmertür auf und stand direkt vor dem Weihnachtsmann.
"Na, kleiner Mann, warst du auch immer schön artig und gehorsam?".
Püppi stand stumm am Tisch und nahm die Geschenke entgegen, die der Weihnachtsmann, eins nach dem anderen, aus seinem Sack holte und dem Kind überreichte. Wie sich doch die Eltern über die Bescherung freuten! Doch der Kleine verzog keine Miene. Er achtete nur auf die Stimme und auf die Augen, die über dem weißen Bart hervorblinzelten. Dann war ihm klar: der Weihnachtsmann war Onkel Walther!
Der Weihnachtsmann verabschiedete sich freundlich und verließ schlurfend und polternd die Wohnung. Püppi aber wollte den Eltern nicht die Freude nehmen und spielte das "Weihnachtsmann-Spiel" mit.
Aus dem Schlafzimmer ertönte erneut der Ruf: „Es gibt keinen Weihnachtsmann!“.
Die Weihnachtszeit ging vorüber. Alle Kinder der Straße trafen sich und berichteten von ihren Geschenken und Erlebnissen. Einer nach dem anderen fragte, ob beim Püppi der Weihnachtsmann gewesen war. Er sagte lange nichts, doch dann drängte es aus ihm heraus: "Damit ihr's wisst, ich glaube nicht an den Weihnachtsmann, nur meine Eltern!". Die größeren Kinder fingen an zu kichern und hielten sich die Hände vor den Mund und ein älteres Mädchen fragte verwundert, was er damit meinte.
"Na, die hatten ganz rote Backen, als der Weihnachtsmann ins Zimmer trat und freuten sich wie kleine Kinder! Aber ich habe Onkel Walther erkannt. Er ist der Weihnachtsmann! Jetzt weiß ich auch, warum meine Großmutter immer sagt, dass es keinen Weihnachtsmann gibt!".
Seit diesem Tag gehörte er zu den wissenden Großen und war ganz stolz auf seine weihnachtliche Erkenntnis.
Ein Jahr verging. Wieder stand Weihnachten vor der Tür.
"Glaubst du an den Weihnachtsmann?", fragte Püppi das kleine Mädchen, das erst vor kurzem in ihre Straße gezogen war.
"Ja, der tommt bald!", rief die Kleine begeistert aus und sprang lustig durch die Gegend. "Bestimmt tommt der bald!", entgegnete Püppi sehr mitfühlend.

©Heidrun Gemähling


Ein weißes Blatt Papier

(Das Weihnachtsgeschenk)

Ein wie vergessenes weißes Blatt Papier liegt
unbeachtet auf einem riesigen Schreibtisch.
Daneben „thront“ breit und wichtig ein Computer.
Er sieht fast drohend aus mit seinen großen Tasten
und den vielen Kabeln, die von ihm fortführen in Steckdosen.

Das grüne Auge scheint immer wieder hämisch zu dem Papier zu blinzeln als wolle es sagen:
„Da siehst du mal, wie wichtig ich bin! Und dann so schnell mit meinen Nachrichten! Du – wenn man dich nehmen würde, wie lange wärest du unterwegs, wie lange geht die Post? Mindestens, - wenn nicht noch länger!
Und dann brauchst du noch einen Umschlag, pah und eine Freimarke. Und – und - und --- “
So schwafelt der Computer vor sich hin,
weil ihm grade so sehr langweilig ist!

Vor lauter Quatschen wird ihm ganz heiß, sein Gebläse springt an. Von einem leichten Windstrom wird das Blatt erfasst und durchs offene Fenster nach draußen in den Schnee geweht.
Dem Blatt wird ganz mulmig „Oh, so viel Licht, es blendet.
Ist es gar Schnee?“ In der Tat schneite es in der Nacht
ein paar Flocken so knapp eine Woche vor Heiligabend.
Ein Junge rutscht über den glatten Fußweg,
direkt auf das Blatt zu. Er bückt sich:
„Du hast mir grade noch gefehlt! Ich habe überlegt, wie ich dem Weihnachtsmann heimlich schreiben kann.“
Er fasst das Blatt an einer Ecke und freut sich, dass es unbeschädigt und trocken ist. Später konnte er die Wünsche dem Papier und somit dem Weihnachtsmann anvertrauen.
So wurde aus einem weißen, scheinbar unbrauchbarem Blatt Papier, das Wichtigste im Leben eines Buben.

©
B. Dölker

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Der letzte Weihnachtsmann

Dichte große Schneeflocken verzauberten das Leben in eine Märchenwelt. Die Kinder im Dorf nutzten die Gunst der Stunde und beschlossen, einen ganz großen Schneemann zu bauen, größer als all die Jahre zuvor. Freudig stapften sie an den Waldesrand vor die hohen Tannen. Man sah rotbäckige Kinder, wie sie fleißig Schnee zu Kugeln rollten. Diese stapelten die großen Helfer aufeinander und formten sie zu einer Riesenkugel. Zwischendurch ließ der dichte Schneefall etwas nach und das bisherige Werk konnte begutachtet werden.
„Höher kommen wir jetzt nicht mehr, wir brauchen eine Leiter! Wer holt eine von zuhause?“, rief Peter in die Runde.
„Bin schon unterwegs“, sagte Florian und spurtete davon.
Sie nutzten die Wartezeit für weitere Überlegungen, denn ein richtiger Schneemann brauchte ja einen großen Schal, eine Mütze, eine Möhre für die Nase, zwei Eierkohlen für die Augen, gebogene Stöckchen für den Mund und einen Besen für den Arm. Fast jedes der Kinder lief nach Hause und brachte die notwendigen Utensilien mit zurück. Jetzt konnte auch der Bau weitergehen und kleinere Schneekugeln wurden herangeschafft und hinaufgereicht. Es dauerte nicht lange und der heißersehnte Schneemann war fertig. Lustig sah er aus und schien zu den Kindern hinunter zu lächeln.

Die kleine Gundi rief ganz aufgeregt: „ Seht nur, der Schneemann lacht mich an und wackelt mit der Nase!“.
„Ja, ja der blinzelt auch mit den Augen und streckt gleich noch die Zunge raus“, fügte ihr größerer Bruder hinzu.

Es dunkelte bereits, als sie sich wie pitschenasse Pudel auf den Heimweg machten. Peters Mutter öffnete die Tür und man hörte sie verzweifelt sagen:
„Peter, wo kommst du schon wieder so naß her! Jetzt habe ich keine trockenen Hosen mehr für dich!“ und zog ihn ins Zimmer.
„Natürlich von draußen!“, murmelte der Großvater verständnisvoll und zwinkerte Peter zu.

Der Tag der Wintersonnenwende stand vor der Tür. Ein recht alter Weihnachtsmann aus dem Nachbarsdorf, dem das Laufen schon schwerfiel, hatte sich nach altem Brauch auf den Weg zu den Kindern gemacht, um sie zu beschenken. Es war sehr dunkel und nur der Mond brachte etwas Licht. Mißmutig brummelte er vor sich hin: „Mit dem Kinderkram wird mir das langsam zu viel! Keiner will mein Nachfolger werden. Weil sie alle keine Zeit haben, angeblich.“
Als er schließlich den Waldrand erreichte, entdeckte er von weitem schon den ungewöhnlich großen Schneemann. Stapfend kam er ihm immer näher und näher. Dann geschah es. Er stolperte über eine dicke Baumwurzel und landete lang vor dem Schneemann. Seine Rute und der schwere Sack flogen durch die Luft und blieben in einiger Entfernung liegen. Sein Bein schmerzte höllisch, vielleicht war es gebrochen.
„Aua, aua, Hilfe, Hilfe!“ hallte es durch die Nacht. Doch wer sollte ihn hier schon hören?

Plötzlich vernahm er eine eigenartige Stimme: „Ich will dir gerne helfen. Rutsche dicht an mich ran und atme kräftig gegen meinen Bauch. Nimm deine Hände und höhle mich aus!“

Erschrocken schaute sich der weihnachtlich angezogene alte Mann um, konnte aber keinen Menschen erblicken. Noch einmal hörte er die selben Worte und sah nach oben in das Gesicht des Schneemannes, der zu lächeln schien. So seltsam ihm die Situation auch vorkam, gehorchte er doch den Anweisungen des Schneemannes. Die Höhle im Bauch des Schneemannes wurde zusehends größer. Trotz der Schmerzen grub er sich immer weiter in das Innere, als er über sich wieder die eigenartige Stimme sagen hörte: „ Mach so weiter, dann wirst du auch nicht erfrieren!“.
Verängstigt machte er weiter und schließlich gelang es ihm, sich hineinzuzwängen und schlief bald darauf vor Erschöpfung ein.

Die rote Morgensonne weckte den Verletzten und dieser drehte sich mit all seinen noch vorhandenen Kräften aus seiner mißlichen unbequemen Lage zur Öffnung hin.
„Wo bin ich denn!“ staunte er und rieb sich verwundert die Augen.
„Hilfe, Hilfe!“, stöhnte er und sein Rufen wurde immer lauter.
„Du hast schon Hilfe bekommen!“ sagte die Stimme von oben, „sonst wärst du erfroren!“.

Sein Herz fing laut an zu pochen und sein schlechtes Gewissen wurde im Gesicht sichtbar, denn ihm kamen all die Kinder in den Sinn, die auf ihn gewartet hatten.
Während er die Nacht im Bauch des Schneemannes verbrachte, entstand im Ort große Unruhe. Man sah Menschen aufgeregt von einem Haus zum anderen huschen. Fenster und Häuser waren hell erleuchtet und festlich geschmückt, doch Freude kam nicht auf. Keiner wußte, warum der Weihnachtsmann nicht zu den Kindern kam. Schließlich standen Groß und Klein auf den Straßen und Peters Vater rief in die Menge:
„Dem Weihnachtsmann wird doch nichts passiert sein?“.
Ein anderer sagte mit kräftiger Stimme: „Ich glaube schon, denn er ist schon alt. Ihr Kinder geht jetzt nach Hause und legt Euch schlafen und wir werden nach ihm suchen!“.

Der Morgen graute schon, als der Verletzte plötzlich in weiter Ferne Stimmen hörte, die seinen Namen riefen.
„Hier bin ich! Hier oben am Waldrand!“, rief er so laut er konnte.
Sofort eilten die Männer hinauf und entdeckten ihn liegend und schimpfend vor dem großen Schneemann und staunten nicht schlecht über das ausgehöhlte Schneewesen.
Worte wie: „Hermann, was machst du denn für Sachen! Haben wir dir nicht oft genug gesagt, daß du nicht mehr alleine gehen sollst?“, mußte er sich anhören und winkte ab. Zwei liefen bereits los um einen Arzt und eine Trage zu holen.

„Nie wieder werde ich den Weihnachtsmann spielen. Das ist einfach nichts mehr für einen alten Mann!“, erwiderte er und ließ sich gerne mit einem warmen Schluck Tee verwöhnen.

„Der da, der Schneemann hat mich gerettet!“, sprach er und zeigte nach oben.
„Ein Schneemann kann doch nicht retten, wie soll das denn gehen?“, sagte einer der Männer laut und fügte noch hinzu: „Ach Hermann, erzähl doch keine Märchen!“.
So gingen die Worte hin und her, doch keiner wollte dem Alten glauben.

Inzwischen erfuhren auch die Kinder von dem verletzten Weihnachtsmann, den man vor ihrem Schneemann gefunden hatte und eilten hinauf zum Waldesrand. Als die kleine Gundi hörte, daß der Schneemann sprechen konnte, so wie es der Weihnachtsmann erzählte, rief sie ganz laut und selbstbewußt:
„Und lächeln kann er auch. Das habe ich genau gesehen. Keiner will mir glauben!“.
„Ja, Kleine, ich glaube dir!“, sagte der alte Mann ganz ruhig und wandte sich an die erstaunten Gesichter der Erwachsenen, während die Kinder in der Nähe herumtobten, und sprach dann weiter: „Das Leben als Weihnachtsmann macht keinen Spaß mehr. Die Zeiten sind so hektisch und ungemütlich geworden. Keiner hat mehr Zeit, wer will schon mein Nachfolger werden!“
Er schaute nach unten und irgendwas schien ihn zu bedrücken. Die Männer bemerkten es und einer fragte besorgt: „Hermann, nun raus mit der Sprache, dir liegt doch was auf dem Herzen! Sag es uns doch einfach!“
Nach einer Pause drängte es aus ihm heraus: „ Wie wäre es mit einem neuen Fest zur Erinnerung an meine Rettung durch einen Schneemann? Jedes Jahr könnten die Kinder zu dieser Zeit viele ausgehöhlte Schneemänner bauen und sie mit Geschenken für die armen Kinder der Umgebung füllen. Ihr werdet sehen, die Freude wird groß!“.

Sprachlosigkeit stand in fast allen Gesichtern, doch Peters Vater entspannte die Situation und winkte die Kinder herbei und fragte: „Was haltet ihr von einem Schneemann-Fest?“
„Hurra, ein Fest für den Schneemann!“, jauchzten die Kinder aufgeregt und kullerten erneut übermütig im Schnee herum.
„Ich muß aber noch dazu sagen, daß dann kein Weihnachtsmann mehr zu euch kommen wird, um euch zu beschenken, sondern ihr könnt dann viele viele Schneemänner mit Geschenke füllen. Es gibt weltweit eine Menge arme Kinder oder die keine Eltern mehr haben, und die würden sich von Herzen freuen, wenn andere Kinder an sie denken“, redete er weiter und wartete gespannt auf die Reaktion.

Die Kinder sahen sich an und waren sich ohne Worte einig. So verkündete der große Peter stolz: „ Na klar, wir wollen lieber das Schneemann-Fest und anderen Kindern helfen. Wir kriegen doch das ganze Jahr über genügend Geschenke!“.
„Seht nur, wie der Schneemann mich wieder anlächelt!“, rief die kleine Gundi.
„Ja, ja, und gleich blinzelt er mit den Augen und wackelt mit der Nase!“, fügte der große Bruder hinzu.
„Vielleicht!“, erwähnte Gundi leise und stellte sich dicht neben den Schneemann.

Der letzte Weihnachtsmann war sehr sehr erleichtert. Er kam in ärztliche Obhut und konnte noch mitverfolgen, wie sein Schneemann-Fest sich über die ganze Welt verbreitete.

Seither wurde am Ende des Jahres nur noch das Fest der „Schneemänner“ gefeiert. Alle Kinder waren froh und glücklich und kannten den Weihnachtsmann bald nur noch aus den Märchen.

© Heidrun Gemähling

http://www.lyrik-kriegundleben.de/

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Advent bedeutet ANKUNFT

Sibylle, ein älteres „Fräulein“ lebte alleine.
Kinder hatte sie nicht und viele Angehörige waren schon vor vielen Jahren von ihr gegangen.
Sie hatte nur noch die Bilder aus ihrer Erinnerung und die Fotos, die eine Vitrine zierten.
Aber eins war ihr noch geblieben: Die Katze, die ihr vor vielen Jahren zugelaufen war und die sie so sehr liebte. Eines Tages wurde das Tierchen krank und starb schließlich kurz vor Weihnachten, in den Armen seines Frauchens.
Sibylle sagte sich: „Nie mehr will ich mich so an ein Wesen gewöhnen. Nie mehr leiden, wenn ich es verlieren muss.“ Zudem zweifelte sie daran, dass sie sich dauerhaft um einen vierbeinigen Mitbewohner kümmern könnte.

Sie setzte sich in der unter Tränen in Eiseskälte auf die Terrasse, ihr Schluchzen war nicht mehr zu unterdrücken. Da kletterte ein kleines Mädchen über den Zaun, setzte sich zu der älteren Dame und fragte: „Warum weinst du denn?“ Sibylle dachte: „Dich hat mir der Himmel geschickt.“ Sie erzählte dem kleinen Mädchen, was sie bedrückte. Das Mädchen rückte immer näher, reichte Sibylle ein Taschentuch, hörte ihr zu und antwortete dann ganz leise: „Es gibt eine Familie, die aus Vater, Mutter, zwei Kindern, einem Hund und drei Katzen besteht, aber eine Katze kommt dort gar nicht zurecht. Sie wird von den anderen Katzen gemobbt.“ „Gemobbt?“, fragte Sibille gedehnt. „Was ist denn das?“ „Das Kind antwortete: „Das ist etwas, was viele Lebewesen erdulden müssen, die anders sind als die Norm.“ Die alte Frau antwortete sinnierend: „Woher hast du denn so viel Wissen und woher kannst du denn so eine so gehobene Sprache?“ „Ach“, entgegnete das Mädchen: „Ich lese viel, habe die Möwe Jonathan, die anderes flog als die anderen Möwen, gelesen und die Geschichte von dem Krebs, der rückwärts läuft. Ein lieber großer Freund von mir schreibt schöne Bücher und beschrieb, wie sich ein achter Zwerg fühlt.“ „Achter Zwerg?“, fragte Sibylle erstaunt. „Was bedeutet das?“ Das kleine Mädchen entgegnete: „Mein lieber großer Freund hat mir das erklärt. Es gibt Zahlen, die eine Bedeutung haben und dazu gehört auch die Zahl sieben. Bei dem Märchen Schneewittchen und die sieben Zwerge gibt es die Siebenzahl. Spricht man aber von einem achten Zwerg, so ist einer zu viel und passt nicht ins Gefüge.“ Sibylle war sprachlos, das Mädchen merkte es und sagte leise: „Ich höre auch gern zu, wenn ältere Menschen aus ihrem Leben erzählen. Aber meine Oma ist nicht mehr bei uns. Eines Tages ist Omi fortgegangen von uns - so wie deine Katze. Und sie sagte zu mir: „Ich werde, wenn ich dort oben im Himmel angekommen bin, dem Christkind sagen, es möge doch dafür sogen, dass eines Tages eine Oma ankommen wird, die du lieben und brauchen wirst. Und nun frage ich dich, willst du jetzt meine Oma sein?“ Tränen der Rührung überkamen Sibylle und sie fragte: „Warum ist denn eine Oma so wichtig für dich?“ Das Kind antwortete: „Ich habe eine gute Mami, aber sie hat kaum Zeit, sie ist alleinerziehend und muss viel arbeiten.“ Und dann setzte sie das Thema fort:
„Schau mal“, ich frage die Familie, die die alte Katze meiner Oma angenommen hat. Alle haben es gut gemeint, aber sie haben gemerkt, dort ist nicht der Platz, an den sie hingehört, sie ist der 8. Hausgenosse oder auch das 5. Rad am Wagen. Das Tier wird von den anderen Katzen wegen seiner Hilflosigkeit abgelehnt, die ihr besondere Zuwendung des Frauchens einbringt.“ „Aber besondere Zuwendung ist doch etwas Schönes“, antwortete Sibylle. „Ja, schon, aber so etwas führt oft zu Mobbing, das ist eine bekannte Tatsache.“, antwortete das Mädchen und es klang wissend. „Wir werden dem Tierchen seinen Platz geben, wo es hingehört.“, betonte das Mädchen. „Und der ist bei dir, das steht fest."

Einen Tag später klingelte es bei Sibylle, eine junge Frau stand Scheu vor der Türe und fragte: „Meinen Sie, Sie könnten unserer Katze eine neue Heimat geben? Sie fühlt sich bei uns nicht wohl. Mögen Sie es versuchen? Wir nehmen sie auch zurück, wenn es nicht klappen sollte und kümmern uns auch, wenn Sie mal nicht für sie sorgen können.“ Sibylle antwortete: „Dann machen Sie schnell, bevor ich es mir anders überlege.“ Und so geschah es. Die Katze wurde gebracht und erkannte die Heimat, nach der sie gesucht hatte, sofort.
Sibylle fragte das Kind fast schüchtern: „Meinst du, ich könnte deine Mami und dich mal zu einer Tasse Tee einladen?“ Die Augen des Kindes leuchteten wie helle Sterne. Das kluge Mädchen antwortete: „Ja, Ommalein, wir kommen, abwarten und Tee trinken.“
Und es blieb nicht bei einem Tee, mit der ANKUNFT kehrte die Weihnachtsstimmung ein. Vier Kerzen leuchteten am Adventskranz und das Kind jubelte: „Schaut mal, vier Kerzen! Eine für jeden von uns und doch zusammen in einem Kranz verbunden.“
Am Weihnachtsabend war eine kleine heil(ig)e Familie gegründet:
angekommen- angenommen.

© Elfie Nadolny

veröffentlicht in der Anthologie:
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Weitere schöne weihnachtliche Beiträge finden sich in den Weihnachtsanthologien des Elbverlages, Näherers unter http://www.elbverlag.de





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